Washington. Der frühere US-Präsident George W. Bush sieht sich durch den kritischen Bericht einer britischen Untersuchungskommission nicht zu einer Neubewertung seiner Entscheidung für den Irak-Krieg veranlasst. "Bush glaubt nach wie vor, dass es für die ganze Welt besser ist, dass Saddam Hussein nicht mehr an der Macht ist", erklärte ein Sprecher des früheren Staatsoberhaupts.

Bush sei weiterhin "zutiefst dankbar" für den Einsatz der US-Truppen und ihrer Verbündeten im Krieg gegen den damals von Saddam Hussein geführten Irak. "Und es gab keinen stärkeren Verbündeten als das Vereinigte Königreich unter der Führung von Premierminister Tony Blair", fügte der Sprecher hinzu.


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The Iraq Enquiry
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Bushs "Poodle"

Zuvor hatte eine britische Untersuchungskommission nach jahrelanger Arbeit eine Bewertung zu Großbritanniens Rolle im Irak-Krieg vorgelegt. Darin heißt es, Blair sei den USA blind gefolgt und habe sein Land in einen schlecht geplanten und zudem rechtlich fragwürdigen Krieg geführt. Blair habe dem damaligen US-Präsidenten Bush in einem Brief vom Juli 2002 geschrieben: "Ich bin mit dir, was auch geschehen möge."

Blair hatte nach Vorlage der Befunde sein Bedauern geäußert, aber seine Kriegsentscheidung verteidigt. "Ich denke wir haben die richtige Entscheidung getroffen", sagte Blair. Die Welt sei ohne den irakischen Machthaber Saddam Hussein "besser und sicherer".

Obama zurückhaltend

Die US-Regierung äußerte sich zurückhaltend zu dem britischen Bericht. Ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama erklärte, dessen Ablehnung der Irak-Invasion sei seit langem bekannt. Obama habe "in seiner gesamten Präsidentschaft mit den Folgen dieser schicksalhaften Entscheidung zu tun gehabt, und vermutlich wird dies auch für künftige Präsidenten gelten".

Ein Sprecher des US-Außenministeriums betonte, die Bemühungen der Regierung gälten nun einer Befriedung der Lage im gegenwärtigen Irak und in Syrien. Das Verteidigungsministerium in Washington wollte sich zu dem Bericht überhaupt nicht äußern.

Auch Australien verteidigt Krieg

Nach der Kritik einer Untersuchungskommission an Großbritanniens Beteiligung am Irakkrieg 2003 hat Australien seine eigene Rolle verteidigt. Der enge US-Verbündete beteiligte sich damals wie rund 40 andere Nationen an der US-Invasion des Irak. Die Politiker hätten aufgrund der besten damals zur Verfügung stehenden Geheimdiensterkenntnisse gehandelt, sagte Außenministerin Julie Bishop in einem Fernsehinterview. Sie war 2003 nicht im Amt, aber in leitender Rolle der konservativen Partei der Liberalen, die die Regierung führte. "Ich erinnere mich sehr wohl an die Informationen, die uns damals präsentiert wurden", sagte sie. Sie betonte, dass auch die Labor-Partei in der Opposition sich für eine Beteiligung ausgesprochen hatte.

 Pressestimmen

Der britische "The Independent" bezeichnete den Krieg indessen als dümmsten Fehler der Neuzeit: "Wie wir schon seit Jahren dargelegt haben, sprach viel dafür, (den irakischen Machthaber) Saddam Hussein zu stürzen. Doch es gab eben noch stärkere Argumente dagegen. Schlussendlich sollten die monumentalen Fehler oder die Einschätzungen und Moralvorstellungen, die Großbritannien in den dümmsten Krieg der Neuzeit geführt haben, nicht aus der Perspektive der Folgen für die britische Politik oder der Reputation von Tony Blair betrachtet werden, sondern aus jener der bedauernswerten Menschen im Irak.

Ihre Familien und ihre Städte gingen in Schutt und Asche unter - alles im Namen einer Jahrtausendvision zur Umgestaltung des Nahen Ostens, die auf fehlerhaftem Beweismaterial und einer beklagenswert schlechten Planung von Leuten beruhte, die keinerlei Ahnung von Geschichte hatten. (...) Kurz gesagt: Das Abschlachten unschuldiger Iraker, an dem Großbritannien sich beteiligt hat, war die schwerste und überheblichste Fehlleistung der jüngeren Weltgeschichte und kann niemals verziehen werden."

Die "Neue Züricher Zeitung" wiederum stellt die Frage nach den 'Lehren der Geschichte': "Die in solche Kommissionsberichte gesetzten Erwartungen werden meist enttäuscht, weil sie nicht das Erhoffte hervorbringen können: nämlich Klarheit zu schaffen und unparteiische Verdikte zu liefern, wo zuvor Unübersichtlichkeit und sich widersprechende Behauptungen vorherrschten. Die ersehnte Katharsis dürfte sich deswegen nicht einstellen. Wahrscheinlicher ist vielmehr, dass der Chilcot-Bericht mit seinen differenzierten Schlussfolgerungen zum Ausgangspunkt neuer Kontroversen wird, zumal die Akteure von damals alle noch selber in die Diskussion eingreifen können.

Unvermeidlicherweise taucht auch die Frage nach den 'Lehren der Geschichte' auf. Auf die Irak-Invasion folgte mit britischer Beteiligung die halbherzige Intervention in Libyen und die Nichtintervention in Syrien. In beiden Fällen käme angesichts der Verhältnisse in diesen Ländern niemand auf die Idee, von einem Erfolg zu sprechen, beide waren aber unzweifelhaft eine direkte Folge der zuvor im Zweistromland gemachten schmerzhaften Erfahrungen."