Cleveland. (wak/reu) Am südlichsten Rand der großen Seen-Platte, unweit der kanadischen Grenze, spielt sich in den kommenden Tagen ein Spektakel ab, dass so manchen US-Amerikaner ans Auswandern nach Kanada denken lässt. Ausgerechnet hier, in Cleveland, Ohio, kommt der Parteitag der US-Republikaner von Montag bis Donnerstag zusammen, um Donald Trump offiziell die Nominierung zu überreichen. Dass Trump der Kandidat der Republikaner wird, daran lässt sich nicht mehr rütteln. Denn das Komitee, das die Regeln ändern wollte (um die Delegierten aus den Bundesstaaten frei für andere Kandidaten stimmen zu lassen), hat selbst nicht genug Stimmen bekommen. Es wird also Trump werden. Und da Trump ein äußerst polarisierender Kandidat ist, rechnet kaum jemand damit, dass der Parteitag ruhig über die Bühne gehen wird. Vor allem die Justizbehörden sind in Alarmbereitschaft. Sie stellen sich auf Ausschreitungen bei den zu erwartenden Massenprotesten ein. Tausende Trump-Gegner aus dem ganzen Land werden erwartet.

Die Polizei wird durch 3000 Beamte von außerhalb verstärkt. Das Amtsgericht der Metropole hat Sonderschichten angeordnet.

Zusätzlich angespannt ist die Lage, nachdem kürzlich erneut zwei Schwarze bei Polizeieinsätzen in Louisiana und Minnesota getötet wurden und anschließend im texanischen Dallas ein afroamerikanischer Afghanistan-Veteran, offenbar aus Hass auf Weiße, fünf Polizisten erschoss.

Cleveland mehrheitlich schwarz

In Cleveland leben etwa 390.000 Menschen, die meisten von ihnen sind schwarz. Viele von ihnen lehnen Trump entschieden ab. Die meisten Befürworter Trumps sind weiß. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos halten fast die Hälfte der Trump-Anhänger Schwarze für gewalttätiger und krimineller als Weiße. Trump ist gerade für Minderheiten ein rotes Tuch. Für Empörung sorgen eine ganze Reihe von Äußerungen - wie etwa die Forderung nach einer Mauer zwischen Mexiko und den USA oder nach einem Einreiseverbot für Muslime.

Mitglieder der New Black Panther Party, einer radikalen Schwarzen-Bewegung, haben angekündigt, während Demonstrationen in Cleveland Waffen zur Selbstverteidigung mit sich zu führen. Vom Gesetz her ist das offene Tragen von Waffen innerhalb der sogenannten Veranstaltungszone, in der die Demonstrationen stattfinden, erlaubt.

Polizeichef Calvin Williams setzt auf Deeskalation. Die Ereignisse von Dallas würden zwar bei den Planungen berücksichtigt, aber: "Wir wollen nicht, dass irgendwer auf den Rechten eines anderen herumtrampelt." Der Chef der örtlichen Polizeigewerkschaft, Steve Loomis, kritisiert dagegen, seine Kollegen dürften keine Schutzschilde tragen, weil das für zu offensiv gehalten werde. "Aber ein Pflasterstein gegen den Kopf, das ist offensiv für mich." Bürgerrechtler sind so oder so beunruhigt: "Da ich weiß, wie die Polizei von Cleveland mit solchen Situationen in der Vergangenheit umgegangen ist, glaube ich einfach nicht, dass es (die Deeskalation, Anm.) funktionieren wird", sagt Terry Gilbert, der seit mehr als 40 Jahren in der Stadt als Bürgerrechtsanwalt und Strafverteidiger aktiv ist.