Washington/Cleveland. 5.000 Polizisten sollen die 50.000 Besucher beim Nominierungsparteitag der Republikaner in Cleveland beschützen. Trump polarisiert, die Angst vor gewalttätigen Protesten ist immens. Polizeikugeln auf Schwarze und tödliche Schüsse auf Polizisten - zuletzt am Sonntag - sorgen für zusätzliche Anspannung.

Was haben ein Tennisball, eine Glühbirne und ein Fahrradschloss gemeinsam? All diese Gegenstände stehen auf einer Liste mit Dingen, die der Secret Service und die Stadt Cleveland in einer "Event Zone" rund um den republikanischen Parteitag verboten haben. 72 Punkte umfasst die Aufzählung, auch Wasser- und Spielzeugpistolen gehören dazu. Etwas viel Wichtigeres sucht man dagegen vergeblich: echte Waffen.

Der Bundesstaat Ohio ist ein sogenannter "Open Carry State", das sichtbare Tragen von Waffen kann nicht verboten werden. Nicht nur wegen dieser Regel sorgen sich Polizei, Parteifunktionäre und Medien von Montag bis Donnerstag um die Sicherheit in der rund 400.000 Einwohner zählenden Stadt.

Der Mann, um den es geht, ist schlicht zu umstritten. Seit Monaten stehen die Wahlkampfveranstaltungen von Donald Trump auch deshalb in den Schlagzeilen, weil dort immer wieder Schlägereien zwischen Anhängern und Gegnern ausbrechen. Der 70 Jahre alte Unternehmer soll auf dem Parteitag zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei gekürt werden.

Der Tod zweier Schwarzer durch Polizeikugeln und tödliche Schüsse auf Polizisten - zuletzt am Sonntag in Baton Rouge - haben die Stimmung in den USA zusätzlich aufgeheizt. Für Cleveland haben nun so unterschiedliche Gruppen wie die schwarze Bürgerrechtsbewegung "Black Lives Matter" und die weißen Nationalisten der "World Workers Party" bereits Protestmärsche angekündigt. Die Sorge, dass es zu Ausschreitungen kommt, entsprechend groß.

Ursprünglich wollte die Stadt deshalb eine fast fünf Kilometer große Sperrzone rund um die Quicken Loans Arena errichten, den Ausrichtungsort des Parteitages. Doch eine ungewöhnliche Allianz aus Trumpanhängern, Gegnern und einer Obdachloseninitiative klagte gegen diese Regeln. Sie bekamen Ende Juni Recht: Proteste müssten in Sichtweite des Objekts stattfinden, um das es gehe. Nun dürfen sie sich auf einer Proteststrecke in rund 350 Metern Entfernung der Halle nähern, hieß es beim Fernsehsender CNN.

Auch deshalb rüstet die Polizei auf. 5.000 Einsätzkräfte sollen die rund 50.000 erwarteten Besucher beschützen. Ihre Aufgaben reichen von der Begleitung von VIP-Fahrzeugen über Verkehrsumleitungen bis hin zur Sicherung der Proteste. 2.500 Stahlabsperrungen werden die Straßen säumen, die Stadt hatte zudem einen Auftrag über 2.000 zusätzliche Polizei-Schutzausrüstungen ausgeschrieben. Die Kosten werden teils durch die 50 Millionen Dollar gedeckt, die der Staat der Stadt zahlt.

Welchen Respekt die Stadtoberen haben, zeigt sich zudem an zusätzlich abgeschlossenen Versicherungen gegen Protestschäden. Bereits im März hatten sie rund 1,5 Millionen Dollar (1,35 Millionen Euro) für eine Schadenssumme von 10 Millionen Dollar erlaubt. Ende Juni wurden für 9,5 Millionen Dollar zusätzliche Policen abgeschlossen, die weitere Schäden bis zu 50 Millionen Dollar abdecken.

Das Amtsgericht der Stadt erweitert seine Geschäftszeiten und wird nun während des Parteitages von 5.00 Uhr morgens bis 1.00 Uhr in der Nacht über Fälle entscheiden können. Über 1.000 Personen könnte so pro Tag verhandelt werden, berichtet die Lokalnachrichtenseite cleveland.com. Zum Vergleich: Bei den schwersten Ausschreitungen auf Parteitagen der jüngsten Zeit waren 2004, auf dem Höhepunkt der Irak-Krieg-Kritik an Präsident George W. Bush, in New York rund 1800 Menschen für vier Tage verhaftet worden.

Dennoch geben sich die Offiziellen sicher: "Wir sind seit letzten Herbst Vollzeit vor Ort", sagte beispielsweise Secret-Service-Koordinator Ron Rowe bei CNN. Die Streitereien um Proteststrecken und Bannmeilen seien normal, erklärte Gewerkschaftsdirektorin Christine Link dem Magazin "The Atlantic".

Trotzdem bleibt angesichts des polarisierenden Kandidaten bei allen Beteiligten eine große Unsicherheit. Sie äußert sich unter anderem auch in speziellen Sicherheitstrainings für Medienvertreter. Der Veranstalter "Global Journalist Security" bereitet Journalisten üblicherweise auf Kriegsgebiete vor. In den letzten Wochen hatte das Unternehmen aber auch zweitägige Schulungen für die Nominierungsparteitage im Angebot. Kostenpunkt: 1195 Dollar (rund 1084 Euro).