Philadelphia. Beides probiert, kein Vergleich. Am Donnerstagabend Ortszeit ging in Philadelphia, Pennsylvania, die Democratic National Convention 2016 zu Ende, genau eine Woche, nachdem die Republikaner ihre in Cleveland, Ohio, abgehalten hatten. Nachdem Parteitage, im Rahmen derer die jeweiligen Präsidentschaftskandidaten gekürt werden, vor allem als Fernsehspektakel gedacht sind, gibt es wenige Indikatoren, die mehr über das Interesse der amerikanischen Öffentlichkeit an ihnen aussagen als die TV-Einschaltquoten.

Die ergaben einen eindeutigen Sieger. Zwischen Montag und Mittwoch waren täglich zwischen drei und sechs Millionen mehr Menschen an der Krönungsmesse Hillary Clintons als an der von Donald Trump interessiert. Von der "New York Times" mit diesen Zahlen konfrontiert, hatte Trump - als Ex-Reality-TV-Star und bekennender Kabel-TV-Junkie an und für sich ein Profi des Metiers - den Schuldigen längst parat: das Convention-Organsationskomitee des Republican National Council (RNC). "Ich habe die Show nicht produziert. Ich bin nur für meine Rede aufgetaucht", erzählte er der Zeitung. Bei der Aussage handelte es sich um eine glatte Lüge - der 70-Jährige hatte nicht nur maßgeblichen Einfluss auf die Rednerliste genommen, auf die er gleich vier seiner Kinder setzte, sondern hatte sich an jedem einzelnen der vier Tage dauernden Veranstaltung mindestens einmal blicken lassen.

Geschichten statt Aufschneiderei


Darüber, wie die beiden Conventions inhaltlich rezipiert wurden, sagen höhere Einschaltquoten freilich wenig aus. Aber angesichts dessen, was am Tag nach der Schlussrede Hillary Clintons in den traditionellen wie in den sozialen Medien Thema war, dürften die Demokraten auch in diesem Kontext die Nase klar vor haben. Warum? Weil sie sich vier Tage lang als die besseren Geschichtenerzähler erwiesen als der professionelle Märchenonkel aus dem obersten Stock des Trump Tower. Die prominenten Redner der Democratic Convention leisteten ganze Arbeit - eine Michelle Obama, die die Mehrheit der Bernie-Sanders-Wähler zu Räson brachte, ein Bill Clinton, der de facto einen Liebesbrief vorlas, ein Joe Biden, der klar machte, wo der wirkliche "Working Class Hero" wohnt, von Barack Obama und Clinton selbst ganz abgesehen.

Aber es waren die Leute, die bis zum Zeitpunkt ihres Auftritts im Wells Fargo Center unbekannt waren, die der Convention von Philadelphia ihren Stempel aufdrückten. Während sich in Cleveland homophobe Entenjäger (Willie Robertson), derangierte Tech-Milliardäre (Peter Thiel) und offen rassistische Gesetzeshüter (Sheriff Joe Arpaio) die Bühne teilten und erklärten warum das Land ohne Trump dem Untergang geweiht sei, traten in Philadelphia Leute auf, die für ein Amerika stehen, das trotz all den Zumutungen, die sie jeweils erfuhren, jeder Paranoia entsagen. Khzir Kahn, der Muslim, der vor 40 Jahren aus Pakistan in die USA einwanderte und dessen im Dienste der Army stehende Sohn Humayun im Irak ums Leben kam; Lauren Manning, ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Investmentbank Cantor Fitzgerald, das am 11. September 2001 schwer verletzt wurde, als in New York die Türme des World Trade Center einstürzten und um die sich Clinton jahrelang abseits der Scheinwerfer kümmerte; Anastasia Somoza, eine seit ihrer Geburt unter Multipler Sklerose und Lähmungen leidende Frau, die seit Jahrzehnten für die Rechte geistig und psychisch behinderter Menschen kämpft; und last but not least die "Mothers of the Movement", Mütter von afroamerikanischen Burschen und Männern, die durch Polizeigewalt oder in Polizeigewahrsam ihr Leben ließen.