Die Position von Jarablus: Die Türkei fürchtet einen Einfluss der kurdischen YPG am Westufer des Euphrat. - © Google Maps / WZ Online
Die Position von Jarablus: Die Türkei fürchtet einen Einfluss der kurdischen YPG am Westufer des Euphrat. - © Google Maps / WZ Online

Eine Allianz von US-Kampfflugzeugen, türkischen Streitkräften und syrischen Rebellen dürfte die bislang von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS, Daesh) gehaltene Stadt Dscharablus eingenommen haben.

An dem türkischen Militäreinsatz waren laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu rund 1.500 syrische Aufständische der Freien Syrischen Armee beteiligt. Sie hätten auch das Dorf Keklija erobert. Ziel des Einsatzes sei es, "den Bezirk Dscharablus von der Terrororganisation IS zu befreien", erklärte die türkische Regierung.

Der in den frühen Morgenstunden angelaufene Einsatz richtet sich laut dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sowohl gegen den IS als auch gegen die syrisch-kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD). Von beiden gehe eine Gefahr für die Türkei aus. Ankara will die Ausweitung der kurdischen Einflussgebiete in Syrien und die Entstehung eines kurdischen autonomen Gebietes wie im Irak verhindern.

Sowohl die US-Regierung als auch die deutsche Bundesregierung unterstützten das türkische Vorgehen in Dscharablus. Ein Mitglied der US-Delegation, die sich mit Vizepräsident Joe Biden am Mittwoch in Ankara aufhielt, sagte, es würden Geheimdiensterkenntnisse weitergegeben, auch seien US-Militärberater beteiligt. Ankara handle im Einklang mit den Zielen und Absichten der internationalen Koalition gegen den IS, sagte auch der Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin, Martin Schäfer.



Die US-Regierung erlegte den mit Washington verbündeten kurdischen Kämpfern in Syrien Zurückhaltung auf. Die kurdischen Einheiten dürften den Euphrat nicht Richtung Westen überschreiten, sagte Biden in Ankara. Ansonsten verlören sie die Unterstützung der USA. Dagegen erklärte die halb-autonome kurdische Verwaltung, die weite Gebiete im Nordosten Syriens kontrolliert, der türkische Militäreinsatz sei eine "Kriegserklärung".

Die russische Regierung zeigte sich "tief beunruhigt". Der türkische Einsatz könne zu einer Verschärfung der Spannungen zwischen Ankara und den kurdischen Milizen führen, erklärte das Außenministerium in Moskau. Die Regierung in Damaskus erklärte, die türkische Militärintervention sei eine "unverhohlene Verletzung der syrischen Souveränität".

Ankara hatte am Dienstagabend die Evakuierung der türkischen Stadt Karkamis angeordnet, die gegenüber von Dscharablus auf der türkischen Seite der Grenze liegt. Karkamis war zuvor von IS-Gebiet in Syrien aus mit Mörsergranaten beschossen worden. Offenbar sollte die Offensive vom Mittwoch kurdischen Einheiten zuvorkommen, die ihrerseits nach der Eroberung der nahegelegenen Stadt Manbij auf Dscharablus vorrückten.

Die IS-Miliz verübte in den vergangenen Monaten eine Reihe von Anschlägen in der Türkei. Auch für das Attentat auf eine Hochzeitsfeier mit 54 Toten am Wochenende in Gaziantep werden die Dschihadisten verantwortlich gemacht.