Griff in Timbuktu selbst zur Axt: Al Mahdi. - © ap/Bas Czerwinski
Griff in Timbuktu selbst zur Axt: Al Mahdi. - © ap/Bas Czerwinski

Den Haag. Das Urteil ist historisch: Zum ersten Mal seit seiner Gründung 1998 hat der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) eine Person für die Zerstörung von Weltkulturerbe schuldig gesprochen und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Vier Jahre nach der gewaltsamen Vernichtung von Jahrhunderte alten religiösen Bauwerken in der Stadt Timbuktu in Zentralmali verurteilten die Richter in Den Haag den Islamisten Ahmad Al Faqi Al Mahdi am Dienstag zu neun Jahren Haft.

Der auch als Abu Tourab bekannte Dschihadist hätte als damaliger Leiter der Moralpolizei der Terrorgruppe Ansar Dine die Zerstörungsaktion geleitet und sei auch persönlich daran beteiligt gewesen, heißt es in der Urteilsbegründung. Die Anklage hatte Videos präsentiert, die zeigen, wie Al Mahdi mit der Axt auf die alten Mauern aus Lehm und Steinen eingeschlagen hatte.

Islamist hatte gestanden


Dass der 40-jährige Malier während des Prozesses die Tat selbst gestand, bewertete das Gericht als mildernden Umstand und verhängte deshalb eine verhältnismäßig milde Strafe. Die Zerstörung von Weltkulturerbe ist gemäß dem Völkerrecht ein Kriegsverbrechen, das mit bis zu 30 Jahren Haft geahndet werden kann. Im Sommer 2012 hatte die Miliz Ansar Dine, die mit Al Kaida verbündet ist, die Wüstenstadt im westafrikanischen Mali überrannt und neun mittelalterliche Heiligengräber und eine Moschee Timbuktus zerstört. Die Bilder von der zerstörten Altstadt gingen durch die internationalen Medien und sorgten für Entsetzen. Er habe die Tat damals als gerechtfertigte "Verteidigung des wahren Islam" gegen falsche Heiligenverehrung betrachtet, erläuterte der Verurteilte vor den Richtern.

Die Unesco begrüßte seine Verurteilung. Diese sei ein entscheidender Schritt, um die Straffreiheit für die Zerstörung von Kulturerbe zu beenden, teilte die Kulturorganisation der Vereinten Nationen am Dienstag in Paris mit.

Der IStGH mit Sitz in Den Haag verfolgt Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das sogenannte Weltstrafgericht ist immer dann zuständig, wenn die Delikte nicht auf nationaler Ebene geahndet werden können. Der Gründungsvertrag wurde 1998 in Rom unterzeichnet, der erste Prozess fand 2007 statt.