Addis Abeba. (wak) "Das Wohl Afrikas liegt im deutschen Interesse", sprach Angela Merkel und brach zu einer dreitägigen Afrika-Reise auf, die sie am Dienstag nach Äthiopien führte: Eines der bevölkerungsreichsten Länder des Kontinents und Sitz der Afrikanischen Union (AU). Merkel musste in der Hauptstadt Addis auch die Eröffnungsgirlande im neuen Sicherheitsgebäude der AU durchschneiden - das mit deutschen Geldern errichtet worden ist.

Übrigens ist nicht nur Merkel gerade auf Goodwill-Tour in Afrika unterwegs, um die Fluchtursachen bei der Wurzel zu bekämpfen: EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn will am Mittwoch in Kairo mit Präsident Abdel Fattah al-Sisi über Partnerschaftshilfen für das Land sprechen. Ägypten gilt als Durchgangsland. Während die Türkei vor allem syrische Flüchtlinge beherbergt, seien es Beobachtern zufolge vor allem Migranten aus Afrika, ja sogar aus Ägypten selbst, die von Ägypten aus in See stechen.

Merkels Besuch in Äthiopien kommt zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt. Lange Zeit hat das Land am Horn von Afrika als Garant für Stabilität in der Region gegolten - inmitten von Unruhestaaten wie dem Südsudan, Eritrea und Somalia. Doch vergangenes Wochenende ist in Äthiopien der Ausnahmezustand verhängt worden. Denn bei Protesten in verschiedenen Landesteilen in Äthiopien waren in den vergangenen Monaten hunderte Menschen getötet worden. Die beiden größten Volksgruppen der Oromo und Amhara fühlen sich von der Regierung diskriminiert. Die Proteste waren meist gewaltsam niedergeschlagen worden. Die Regierung in Addis verdächtigt Ägypten, die Proteste zu unterstützen, vor allem die Oromo Befreiungsfront (OLF), die von Addis als terroristische Organisation eingestuft wird. Das ägyptische Außenministerium ließ nur wissen, dass sie eine "Einmischung in interne Angelegenheiten anderer Länder ablehnen", wie die ägyptische Zeitung "Daily News Egypt" berichtete. Ein Dementi könnte anders aussehen. Äthiopien und Ägypten streiten seit langem über Wasser. Äthiopien baut einen großen Nil-Staudamm und Ägypten fürchtet, an Ressourcen einzubüßen.

Trotz des Hintergrunds einer politisch verschärften Situation in Äthiopien warnte Merkel in Addis vor den falschen Vorstellungen vieler Afrikaner bei einer Flucht über das Mittelmeer. Oft nähmen junge Menschen "einen lebensgefährlichen Weg in Kauf, ohne zu wissen, was sie erwartet und ob sie überhaupt bleiben können", sagte Merkel. Sie hob Bemühungen für eine Einheitsregierung in Libyen hervor, die auch ein Ansprechpartner Europas zur Eindämmung ungeregelter Migration wäre. Merkel würdigte, dass afrikanische Staaten trotz aller Entwicklungsprobleme den Großteil der Flüchtlinge auf dem Kontinent aufnehmen. Allein Äthiopien beherbergt nach Angaben von Ministerpräsident Hailemariam Desalegn fast 780.000 Menschen.