Washington. (reuters) Am Ende einer Landstraße irgendwo im US-Staat Georgia üben Anhänger des Republikaners Donald Trump im Tarnanzug Schießen und Nahkampftechniken. Das Training wird schnell zu einer spontanen Kundgebung für den Immobilien-Milliardär. "Wie viele hier stimmen für Trump?", ruft Chris Hill, ein Anwaltsgehilfe, der für sich den Kampfnamen "Bloodagent" gewählt hat. Ein Dutzend Milizionäre antworten mit zustimmendem Gebrüll. Die Miliz, die sich "Three Percent Security Force" nennt, ist nicht die einzige, die einem Wahlsieg der Demokratin Hillary Clinton nicht tatenlos zusehen will und Sorgen vor einem Gewaltausbruch nach der Wahl weckt.

Eine Woche vor der Wahl bereiten sich mehrere bewaffnete Gruppen auf Zusammenstöße vor. Sie sagen zwar, dass sie nicht den ersten Schuss abfeuern werden - aber ihre Waffen wollen sie auch nicht zuhause lassen. Angestachelt werden sie von den Vorwürfen Trumps, die Wahl werde manipuliert, und von seiner Ankündigung, eine Niederlage möglicherweise nicht anzuerkennen. Mindestens eine paramilitärische Gruppe hat ihre Mitglieder aufgefordert, in Wahllokalen auf Anzeichen von Betrug zu achten. Die Milizen befürchten, dass die USA unter Clinton weiter nach links rücken.

Die Milizionäre in Georgia üben mit automatischen Pistolen und Gewehren. Jubel bricht aus, als einer mit seiner Waffe einen Baumstamm ummäht. Die Gruppe gehört zu einer landesweiten Vereinigung, die sich auf amerikanische Widerstandskämpfer zur Zeit des Unabhängigkeitskriegs von 1775 bis 1783 bezieht. Anführer Hill spricht von einem bewaffneten Marsch auf Washington, sollte Clinton gewinnen. Er wolle nicht, dass seine Kämpfer den Marsch anführen, aber sie würden, falls nötig, die Demonstranten verteidigen: "Ich werde da sein, um meine Landsleute zu unterstützen und zu verhindern, dass sie ihre Waffen verlieren. Ich werde dabei kämpfen und töten und möglicherweise sterben."

Trump legitimierte politische Ränder

Das Verhalten Trumps habe die Extremisten dazu ermutigt, offener über ihre Pläne zu reden, sagt Ryan Lenz, Experte beim Southern Poverty Law Center. "Vor diesem Wahlkampf gab es in den USA solche Ideen nur an den politischen Rändern. Jetzt sind sie legitimiert." Zumal auch prominente Trump-Anhänger öffentlich über Gewalt gesprochen haben. So schrieb der ehemalige Abgeordnete Joe Walsh auf Twitter, er werde seinen Vorderlader in die Hand nehmen, wenn Clinton gewinne. Der konservative Kommentator Wayne Root fantasierte bei einer Kundgebung in Las Vegas über den Tod Clintons.

Bewaffnete Milizen machen seit den 1990er Jahren immer wieder auf sich aufmerksam. So tötete ein Sympathisant 1995 bei einem Anschlag auf ein Bundesgebäude in Oklahoma City 168 Menschen. Zwar ging die Zahl der Paramilitärs danach zurück. Seit dem Wahlsieg Barack Obamas 2008 haben die Milizen aber starken Zulauf, vor allem wegen der Furcht vieler Amerikaner, die Regierung könnte das Waffenrecht verschärfen. Das Southern Poverty Law Center, das die Milizen beobachtet, zählte im vergangenen Jahr 276 aktive Gruppierungen nach lediglich 42 im Jahr 2008.

In Georgia legen die Milizionäre ihre schweren Waffen beiseite und starten, mit geladenen Pistolen am Gürtel, zu einem Hindernislauf. "Wir bereiten uns auf alles vor, genauso wie die Marines", sagt Hill stolz. "Wir werden härter trainieren und unsere Gefechtsfähigkeiten ausbauen als Vorbereitung auf den Tag, von dem wir hoffen, dass er nie kommt."