Washington. Die USA und die Welt stehen vor einem Herzschlagfinale: Die Demokratin Hillary Clinton geht als Favoritin in den Tag der Präsidentschaftswahl - aber ein Sieg gegen den Republikaner Donald Trump ist keineswegs gewiss. Dem Ausgang der Wahl wird überall auf dem Globus entgegengefiebert.

Die Sorge vor einem Sieg des Populisten Trump ist groß, vor allem in Europa. Über Monate hatten sich Clinton und Trump einen erbitterten Wahlkampf voller persönlicher Angriffe geliefert. Trump ist ein politischer Quereinsteiger, ein Amt hatte der Unternehmer nie inne. Clinton kennt das Weiße Haus aus ihrer Zeit als First Lady. Später war sie Senatorin und Außenministerin. Beide Kandidaten legten am Montag noch einmal einen Sprint durch wichtige Staaten hin. Clinton war am Abend in Pennsylvania mit Präsident Barack Obama, First Lady Michelle Obama und anderen prominenten Unterstützern angesagt. Trump plante Reden in Florida, North Carolina, Pennsylvania und New Hampshire.

FBI entlastet Clinton

Möglichen neuen Rückenwind erhielt Clinton am Sonntag durch die Mitteilung der Bundespolizei FBI, nach der auch eine zweite Runde von Ermittlungen in der E-Mail-Affäre keine Anhaltspunkte für kriminelles Verhalten ergeben hat. Viele Experten bezweifelten aber, dass sich das in dieser späten Wahlkampfphase noch in einem deutlichen Stimmenschub widerspiegeln wird.

Wahlberechtigt sind von den 322 Millionen US-Bürgern theoretisch alle, die mindestens 18 Jahre alt sind. Das sind etwa 219 Millionen. Voraussetzung ist, dass sich ein Wähler registrieren lässt und nicht von der Wahl ausgeschlossen wird - beispielsweise wegen einer kriminellen Vergangenheit.

Über 41 Millionen Amerikaner haben bereits frühzeitig abgestimmt. In drei wichtigen Bundesstaaten deutete sich eine hohe Beteiligung hispanischer Wähler an, darunter in Florida. Das ist für Clinton Anlass zur Hoffnung: Diese Gruppe neigt dazu, eher demokratisch zu wählen. Zudem sind viele Latinos abgeschreckt von Trumps feindlicher Rhetorik gegen Einwanderer aus Mexiko.

Die letzten Umfragen vor der Wahl zeigten Clinton landesweit vorne. Das Portal RealClearPolitics, das seit Monaten einen Querschnitt aller Umfragen erhebt, sah die 69-Jährige mit zwei Punkten in Front. Letztendlich kommt es aber auf eine Reihe von besonders umkämpften Staaten an, darunter Florida, Pennsylvania und New Hampshire. In einigen wenigen Staaten hatte sich das Gewicht zuletzt etwas zugunsten von Trump verschoben.

Entscheidend ist am Ende nicht die absolute Stimmenzahl, sondern die Zahl der Wahlmänner. Die Mehrheit liegt bei 270. Clinton hat 203 dieser Elektoren sicher, Trump nur 164.

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Unterdessen können Leser die "New York Times" diese Woche für drei Tage unbeschränkt kostenlos online nutzen. Vom 7. bis 9. November stünden die digitalen Plattformen ohne Paywall zur Verfügung, schrieb Chefredakteur Dean Baquet am Sonntag in einer E-Mail. Wahlen gehörten zu den wichtigsten Vorgängen in einer Demokratie, so Baquet. "Wir glauben, dass jeder, ohne Ausnahme, ein tieferes Verständnis der Kandidaten, der Fragen und Ergebnisse dieser bisher einmaligen Wahl verdient(. . .)."