Mossul, Rakka. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) ist in ihren Hochburgen Mossul im Irak und Rakka in Syrien am Montag zusehends in Bedrängnis geraten. Südlich von Mossul eroberten irakische Regierungstruppen die letzte dort noch vom IS kontrollierte größere Ortschaft, Hammam al-Alil. Unterdessen rückte die kurdisch-arabische Rebellenallianz weiter auf Rakka vor.

Von Osten kommend rückten Einheiten der irakischen Polizei, der Armee und Eliteeinheiten des Innenministeriums am Vormittag in die etwa 15 Kilometer südöstlich von Mossul am Westufer des Tigris gelegene Ortschaft Hammam al-Alil, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Einige Einwohner öffneten sofort ihre Geschäfte, andere suchten die örtlichen Schwefelquellen auf. Die Truppen näherten sich damit weiter dem südlich von Mossul gelegenen internationalen Flughafen.

Massengrab entdeckt

Bei ihrem Vormarsch entdeckten die irakischen Streitkräfte nach eigenen Angaben westlich von Hammam al-Alil ein Massengrab. Das Massengrab befinde sich in einer Landwirtschaftsschule, teilte die irakische Polizei ohne nähere Angaben mit. Das Oberkommando der Streitkräfte, die am Einsatz gegen den IS beteiligt sind, erklärte seinerseits, die irakischen Truppen hätten "100 Leichen von Zivilisten mit abgetrennten Köpfen" gefunden. Die Menschen sollen erst vor kurzer Zeit getötet worden und den Umständen nach Gefangene des IS gewesen sein.

Wie die konkrete Zahlenangabe der Opfer in dem Massengrab zustande kam, war unklar. Bei ähnlichen Vorfällen in der Vergangenheit gaben die irakischen Streitkräfte Zahlen von Opfern in Massengräbern an, bevor diese ausgegraben und gezählt worden waren. Die Leichen sollen den Angaben zufolge von Spezialisten untersucht werden.

Fast 300 Geiseln

Nach UN-Erkenntnissen hat der IS in der Nähe von Mossul 295 Geiseln genommen. Bei ihnen handle sich um frühere Mitglieder der Sicherheitskräfte, erklärte UN-Menschenrechtssprecherin Ravina Shamdasani am Dienstag in Genf.

Demnach zwangen die IS-Kämpfer auch 1.500 Familien, sich mit ihnen aus der Stadt Hammam al-Alil in Richtung des Flughafens Mossul zurückzuziehen. Offenbar sollten die Betroffenen entweder als Schutzschilde missbraucht oder getötet werden, sagte die Sprecherin.