5. Das pazifische Zeitalter hat begonnen

Die USA sind eine pazifische Macht: Von San Francisco nach Shanghai ist es nur unwesentlich weiter als von San Francisco nach Wien. Zudem hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten der wirtschaftliche Schwerpunkt immer mehr an die Westküste verlagert. Eines der wichtigsten Werke des US-Flugzeugherstellers Boeing befindet sich in Seattle, im Bundesstaat Washington; das Herz der amerikanischen Hi-Tech-Industrie (Google, Apple und Co) schlägt im Silicon Valley, nicht weit von San Francisco, Kalifornien. Die US-Unterhaltungsindustrie hat ihren Hauptsitz in Los Angeles.

Die größte geopolitische Herausforderung für die USA ist der Aufstieg Chinas: Die Herausforderung des Riesenreiches für die USA ist groß - das Land wird langfristig eine globale Führungsrolle für sich beanspruchen. Barack Obama hat zwar die Asien-Politik zur Chefsache erklärt, seine Administration wurde aber immer wieder ins Chaos in Nahost hineingezogen: Der Arabische Frühling erforderte die volle Aufmerksamkeit der US-Diplomatie. Frankreich und Großbritannien zerrten die USA in ein unüberlegtes militärisches Abenteuer in Libyen. Währenddessen konnte China sein Netz an Beziehungen in Asien enger knüpfen: Die Philippinen - einst wichtiger US-Verbündeter - rücken unter dem erratischen und autoritären Präsidenten Rodrigo Duterte immer weiter von Washington ab. Jakarta muss sich mit Peking arrangieren, genauso wie Malaysia. China lässt in der autonomen Stadt Hongkong immer mehr die Muskeln spielen. Südkorea wiederum ist nicht daran gelegen, die engen Wirtschaftsbeziehungen zu China aufs Spiel zu setzen. Japan - wo derzeit rund 50.000 US-Soldaten stationiert sind - ist da ein verlässlicherer Partner. Indien ist zu groß und als Atommacht zu mächtig, als dass es bereit wäre, in eine Vasallenrolle für die USA in Südasien zu schlüpfen. Pakistan war stets ein wichtiger US-Verbündeter, wird aber auf längere Sicht immer mehr in den Orbit Chinas gezogen - erst recht, da die Bande zwischen Erzfeind Indien und den USA enger werden. Nordkorea, das seit Jahren über Atomwaffen verfügt, ist derzeit die wohl gefährlichste Bedrohung für Sicherheit und Stabilität in Ostasien.

6. Weltsystem- und Klimakrise

Das von den USA ersonnene Weltsystem der Nachkriegsära ist in einer Dauerkrise: Der UN-Weltsicherheitsrat ist dysfunktional und die Bretton-Woods-Institutionen (Währungsfonds und Weltbank) verlieren an Einfluss. Reformen wären unumgänglich aber zugleich unwahrscheinlich. Der Welt droht aufgrund des Klimawandels die gefährlichste Umweltkrise der jüngeren Menschheitsgeschichte. Diese Herausforderung ist nur in Kooperation der globalen Mächte zu meistern: Aber an eine derartige Zusammenarbeit ist derzeit nicht zu denken.