Berlin/Peking. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat den künftigen US-Präsidenten Donald Trump aufgefordert, möglichst schnell Klarheit über seine politische Ziele zu schaffen. "Wir möchten wissen, wie es mit der globalen Handelspolitik weitergeht", sagte Juncker am Donnerstag in Berlin.

"Wir möchten wissen, welche bündnispolitischen Absichten Herr Trump hat. Wir müssen wissen, welche klimapolitischen Absichten er hat. Dies muss in den nächsten Monaten geklärt werden", fügte er hinzu. Zugleich warnte Juncker vor einem Bruch mit den USA nach der Wahl Trumps. "Wir wollen mit den Amerikanern zusammenarbeiten, wir müssen zusammenarbeiten, aber wir müssen dies auf gleicher Augenhöhe tun", sagte er.

TTIP-Abschluss derzeit kein Thema

Für einen Abschluss des transatlantische Handelsabkommens TTIP sieht Juncker derzeit keine Möglichkeiten mehr. "Das Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika, ich sehe das nicht als etwas, das in den nächsten zwei Jahren passieren würde", sagte der Kommissionspräsident.

Zugleich verteidigte Juncker erneut das ausgehandelte EU-Handelsabkommen Ceta mit Kanada. Er könne sich nur wundern, dass die EU in der Vergangenheit zahlreiche Handelsabkommen auch mit diktatorischen Staaten abgeschlossen habe, es aber anhaltende Diskussionen über das Abkommen mit der Demokratie Kanada gebe.

Oettinger will Trump eine Chance geben

Europa sollte nach den Worten von EU-Kommissar Günther Oettinger dem neuen US-Präsidenten Donald Trump eine Chance geben, "die Partnerschaft mit unseren Werten und unseren gemeinsamen Grundlagen" fortzusetzen. "Wir waren natürlich enttäuscht und überrascht über das Ergebnis, aber das müssen wir akzeptieren", sagte Oettinger am Donnerstag im Deutschlandfunk.

Oettinger sagte, nach dem von Respektlosigkeit und Lügen geprägten Wahlkampf seien die ersten Aussagen Trumps "zumindest klug und im Klang versöhnlich" gewesen. Nun müsse man sehen, ob sich das in seinem Regierungsprogramm widerspiegele.

China warnt Trump

Die staatlichen Medien in China haben den designierten US-Präsidenten Donald Trump vor einer Politik des Isolationismus gewarnt. Stattdessen sollten die USA zusammen mit China daran arbeiten, den internationalen Status quo zu erhalten.

Trump hatte im Wahlkampf eine einseitigere Außenpolitik nach dem Prinzip "Amerika zuerst" angekündigt. Seine oft widersprüchlichen Aussagen lassen aber kaum konkrete Schlussfolgerungen zu, wie seine praktische Politik aussehen wird.

Im Wahlkampf machte Trump auch oft China zur Zielscheibe seiner Kritik. Er warf dem Land vor, für Jobverluste in den USA verantwortlich zu sein, und kündigte hohe Einfuhrzölle für chinesische Waren an.

"Wahlkampfgerede ist nur Wahlkampfgerede"

In einem Kommentar der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua hieß es mit Blick auf die 1920er Jahre, der Isolationismus habe die Wirtschaftskrise in den USA während der Großen Depression noch beschleunigt. Allerdings wird in dem Kommentar eingeschränkt: "Wahlkampfgerede ist nur Wahlkampfgerede".

In dem Beitrag wird auch gegen einen US-Interventionismus zu Felde gezogen. China kritisierte schon in der Vergangenheit immer wieder die Militäraktionen der USA in Afghanistan und Irak. "Die Geschichte hat gezeigt, dass die militärischen Interventionen der USA in der Welt dem Land katastrophale wirtschaftliche und politische Kosten bescherten", heißt es.

In einem weiteren Xinhua-Kommentar wird dafür geworben, dass der neue US-Präsident und China gemeinsam ein neues Modell für die Beziehungen von Großmächten schaffen sollten.