Heute bezeichnet sich Südafrika als Regenbogennation. Das Land war nach der Apartheid mit großen Herausforderungen konfrontiert und muss sich weiterhin Problemen wie hoher Arbeitslosigkeit und großer Armut stellen. Und eines der drängendsten Themen im heutigen Südafrika ist Aids. Laut Schätzungen der UNO sind sieben Millionen Einwohner HIV-positiv. Dyiantyi wurde nach ihrer Zeit in den Hotels Krankenschwester und so mit dem Problem konfrontiert. Sie sah, wie Kinder Waisen wurden, weil ihre Eltern an Aids starben.

Sie begann, sich für diese Kinder zu engagieren, dass sie weiter zur Schule gehen können, ein neues Zuhause finden. Heute leitet sie die Organisation Ikageng. Diese kümmert sich um mehr als 900 Kinder und Jugendliche, die Waisen sind oder aus zerrütteten, armen Haushalten kommen.

Ikageng sorgt dafür, dass diese Kinder genug zu essen haben, sie zur Schule gehen können, ein Dach über den Kopf finden. Zudem betreibt die Organisation Aufklärungsprogramme, damit sich der HI-Virus nicht weiter ausbreitet, oder damit junge Frauen Wege finden, sich gegen die Übergriffe gewalttätiger Männer zu wehren.

Als Beispiel ihrer Arbeit erzählt Dyiantyi die Geschichte einer 19-Jährigen. Mit 15 bekam diese ihr erstes Kind und brach die Schule ab. Nun ist sie erneut schwanger. Sie ist HIV-positiv, genau so wie ihr Freund, der sie schlägt. Ikageng brachte sie in einem von einer Kirche betriebenen Heim für Schwangere und in einem Berufsausbildungsprogramm unter.

Nun erhält sie regelmäßig Medikamente, nun kann die 19-Jährige, die an Depressionen leidet, endlich ein wenig zu sich kommen. "Sie kann sich selbst endlich als Mensch und nicht als Sexsklavin sehen, sie kann sich nun erstmals Gedanken über ihre Zukunft machen", sagt Dyianti. "Eigentlich ist sie ein brillantes Mädchen, doch als Waisenkind hat sie nie eine Chance im Leben erhalten."

Ihre Arbeit war auch einer der Gründe, warum Dyantyi nach Wien kam. Ikageng wird zwar von der südafrikanischen Regierung unterstützt, gleichzeitig ist die Organisation aber auch auf internationale Partner und private Spender angewiesen. Und in Österreich wird Ikageng vom Dokumentations- und Kooperationszentrum Südliches Afrika (Sadocc) unterstützt.

So hat Sadocc eine Spendenaktion für Schuluniformen gestartet. Denn diese sind für das Selbstwertgefühl der Kinder entscheidend. Wer keine Schuluniform hat, der ist schnell ein Außenseiter, trägt auf alle Fälle das Stigma der Armut. "Zum ersten Mal war mir nicht anzusehen, dass ich ein Waisenkind bin", teilte Dyantyi ein Bursche mit, nachdem er eine Uniform erhalten hatte.

Lebenslanges Eintreten für die Würde ihrer Mitmenschen


Ein Gespräch mit Carol Dyantyi erzählt viel über Südafrika. Ihr Leben lang bezog sie dort Position, wo es Ungerechtigkeiten gab, trat für ihre eigene Würde und die ihrer Mitmenschen ein.

"Jede Zeit bringt ihre Kämpfe mit sich", sagt Dyantyi. Und mit Blick auf ihre Heimat meint sie, dass diese noch eine vergleichsweise junge Demokratie sei, die sich noch vielen Herausforderungen stellen muss. Gleichzeitig gebe es viele Bürger, die gegen Missstände auftreten und für ein besseres Südafrika kämpfen. "Ich bin weiterhin optimistisch", sagt sie. "Wir können es uns auch gar nicht erlauben, hoffnungslos zu sein."