Lech. Am Ende waren alle ermattet. Drei Stunden Eröffnungsreden, Keynotes und Podiumsdiskussionen. Der Sozialpsychologe Harald Welzer, der referiert, dass die offene Gesellschaft nicht zu viele Feinde, sondern zu wenige Freunde habe in diesen Tagen. Der frühere tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg, der mit der Abgeklärtheit eines Mannes der Gegenwartsgeschichte die Politiker ermahnt, dass Regieren mit Bedacht und Verantwortung und nicht der schnöde Wahlerfolg das oberste Ziel der Politik sein müsse. "Aber dafür braucht man Courage", sagt Schwarzenberg. Die Menschen hätten das Interesse an der Politik verloren - zu verwechselbar, zu langweilig sei die Politik geworden. "Sowohl Sozial- wie Christdemokraten haben dasselbe Teesackerl immer wieder neu aufgegossen. Dass dieses Teesackerl dann niemanden mehr schmeckt, weil es einen verwechselbaren Allerwelts- oder überhaupt keinen Geschmack mehr hat, ist völlig verständlich." Schwarzenberg bringt eine weitere Lebensmittel-Metapher: "Warum soll man zur Wahl gehen, wenn sich Politiker ähneln wie Eier im Supermarkt?"

Die Diskussionen danach mit dem EU-Abgeordneten Othmar Karas und dem früheren bayrischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein drehten sich um Populisten, Brexit, die Zukunft Europas und Donald Trump, Polykrise und Retroutopie. Worüber Menschen eben so reden in diesen Tagen. Aber alle sind sich einig: Die netten Jahre sind vorbei.

Welche Handlungsanleitung?


Am Ende, es ist Zeit für Fragen ans Publikum, geht eine Hand nach oben. Sie gehört der 23-jährigen Julia Hahn, sie ist Studentin der Rechtswissenschaften, Mitarbeiterin im Bürgerforum Europa. Die Vorträge und die Diskussion seien recht desillusionierend gewesen, sagt die Studentin und fordert eine Handlungsanleitung für die Jugend ein: Wie kann der Glaube an die Demokratie wieder gestärkt werden? Und wie reagiert man auf die populistischen Gefahr?

Welzer hat bei seinem Eröffnungsreferat beim Mediengipfel in Lech am Arlberg Hinweise geliefert, sprach davon, dass die Folgen der Veränderung der Gesellschaft von der sozialen Marktwirtschaft zum "neoliberalen Egotrip", die Folgen der steigenden sozialen Ungleichheit alles Gründe für die Malaise seien. "Aber das ist natürlich nicht das Neueste vom Tage", räumt er zugleich ein. Dennoch sei es wichtig, diese "strukturellen Ursachen der Ressentiments im Fokus zu behalten. Karel Schwarzenberg gab der jungen Fragenstellerin eine Aufforderung mit auf den Weg: "Wir haben herrliche 25 Jahre hinter uns. Nun steht uns eine Krisenzeit bevor. Diese sollten wir mit Fröhlichkeit und Mut anpacken."