Jerusalem. Es ist ein besonderer Ort, der Klub der österreichischen Pensionisten in der Esther Hamalka-Straße nahe dem Dizgenoff-Platz in Tel Aviv, Israel. Wobei: Pensionisten? Die älteren Menschen, die hier regelmäßig zusammenkommen, sind Pensionisten. Aber alle, die hierherkommen, haben Biografien, die Bücher füllen würden. Sie sind die Vertreter einer Jahr für Jahr kleiner werdenden Schar von Holocaust-Überlebenden aus Österreich. Insgesamt gibt es, so Gideon Eckhaus, kaum mehr tausend Holocaust-Überlebende im Klub.

Die Staatssekretärin im Kanzleramt, Muna Duzdar, die Israel in diesen Tagen besucht, ist hierher gekommen, um diesen Israeli, die in ihrer Kindheit Österreicherinnen und Österreicher waren, ihre Aufwartung zu machen.

Es gibt Kaffee und Süßgebäck, man hört ein seltsam vertrautes, im besten Sinne altmodisches Wienerisch, durchsetzt von Charme und Schmäh. Kommt ein Besucher aus der Leopoldstadt hierher, so wird er von einigen hier begrüßt wie ein alter Nachbar, den man lange nicht gesehen hat. Der Klub der österreichischen Pensionisten ist ein Stück Österreich, ein Stück Wien mitten in Tel Aviv. Im Vereinslokal der Pensionisten wird gemeinsam Gymnastik betrieben, es gibt Musik-Aufführungen. Man kennt einander seit vielen Jahren, doch zu tratschen gibt es noch immer mehr als genug. Das gemeinsame schwere Schicksal, den Holocaust als Kind überlebt zu haben, schweißt die verschworene Gruppe bis heute zusammen.

"Für Österreich wird der Holocaust nie eine abgeschlossene Geschichte sein", betont Staatssekretärin Duzdar, die hinzufügt, dass sie die Vision habe, dass der Nahe Osten eines Tages eine "prosperierende Region" werde, in der die "friedliche Koexistenz von zwei Staaten" möglich sei. Duzdar - das erwähnte sie auch kurz - hat ja selbst palästinensische Wurzeln, ihre Mutter hat in Jenin, rund 30 Kilometer südlich von Nazareth gelebt, der Vater ist in Damaskus geboren, lebte dann aber in Ostjerusalem.

Es ist eine Mischung aus Stolz, Wehmut und Bitterkeit - und Humor, mit der die Menschen auf ihr Leben zurückblicken.

Uri Ben Rahav, er ist 1931 als Willi Schwarz in Wien geboren, hatte ein schönes, glückliches Leben. Doch dann kam 1938 der Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland, 1942 kam er ins Konzentrationslager Theresienstadt. "Diese Jahre waren eine schreckliche Zeit. Das Gute war: Ich habe überlebt, darum kann ich mit Euch reden." Nach dem Ende des Krieges lebte Schwarz in verschiedenen Flüchtlingslagern, bis er schließlich nach Israel kam und sein zweites Leben als Uri Ben Rahav begann. Sein Verhältnis zu Österreich war eher "Laufwarm", doch heute lebt sein Lieblingsenkel in Salzburg und hat dort seine große Liebe gefunden: "Der Kreis hat sich geschlossen."