Washington. Noch selten war die Stimmung vor einer Amtseinführung so schlecht wie vor der Inauguration von Donald Trump. Nicht nur in den USA formiert sich Protest gegen den dünnhäutigen Milliardär, auch diplomatisch steht der designierte Präsident vor längst überwunden geglaubten Konflikten

China etwa mahnte Trump eindringlich, nicht an den Grundfesten der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Großmächten zu rütteln. Mit Mexiko liegt der milliardenschwere Immobilienunternehmer aus New York, der am Freitag offiziell US-Präsident wird, bereits länger im Clinch und will mit hohen Zöllen Billig-Exporte des Nachbarn unterbinden und eine Mauer an der Grenze bauen. Frankreich und Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas warnten den Republikaner vor einer einseitig pro-israelischen Politik im Nahen Osten.

Provokation durch Botschafts-Verlegung

Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault sagte, sollten die USA ihre Botschaft in Israel wie von Trump angekündigt von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen, käme dies einer Provokation gleich und würde ernste Konsequenzen für den Friedensprozess haben. Zuvor hatte Abbas für den Fall schon damit gedroht, die Anerkennung Israels zu widerrufen. "Auch die Chancen für eine Zweistaatenlösung würden auf null reduziert", sagte er der Zeitung "Le Figaro".

Trump würde mit dem Schritt von der bisherigen US-Politik abweichen, den zwischen Israelis und Palästinensern umstrittenen Status der Stadt nicht einseitig zugunsten einer Seite auszulegen. Israel betrachtet Jerusalem als unteilbare Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als künftige Hauptstadt. Der Status Jerusalems ist eine zentrale Frage in Friedensverhandlungen über eine Zweistaatenlösung.

Harte Auseinandersetzungen mit China

Auch mit China dürfte es harte Auseinandersetzungen geben. Bisher erkennen die USA die Position der Volksrepublik an, dass der Inselstaat Taiwan Teil Chinas ist. Trump hatte im "Wall Street Journal" bekräftigt, er müsse nicht wie seine Vorgänger an dieser "Ein-China-Politik" festhalten. Die Antwort aus Peking kam prompt: Alle relevanten Akteure in den USA sollten anerkennen, dass dieses Thema für China sehr sensibel sei, erklärte das Außenministerium. Es sei die nicht-verhandelbare Basis für die Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

Auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos dürften sich die Debatten der Politiker und Unternehmensvertreter vor allem um Trump drehen. "Unabhängig davon, wie man Trump und seine Positionen einschätzt, hat seine Wahl zu einer tiefen, tiefen Verunsicherung geführt - und das wird einen langen Schatten auf Davos werfen", sagte der französische Politologe Jean-Marie Guehenno.

Proteste in Washington

In Washington protestierten am Samstag knapp 2.000 Menschen gegen Trump. Wegen schlechten Wetters kamen aber deutlich weniger Teilnehmer als von den Veranstaltern erhofft. "Wir werden weiter marschieren bis die Hölle einfriert, und wenn dies geschehen ist, werden wir auf dem Eis marschieren", sagte Cornell William Brooks, der der US-weiten Organisation NAACP zur Förderung farbiger Menschen vorsteht.

Insgesamt haben rund 30 Gruppen die Erlaubnis erhalten, vor, während und nach der Amtseinführung Trumps am Freitag zu protestieren. Die größte Kundgebung dürfte am Tag danach der Frauenmarsch werden, zu dem 200.000 Menschen erwartet werden. Gegner des künftigen US-Präsidenten haben auch damit gedroht, die Zeremonie selbst massiv zu stören.

Gegenkultur zu Trump

Mit der Twitter-Manie Trumps rechnete der amerikanische Autor T.C. Boyle ab: "Das ist eine völlig verrückte Situation. Es kommt einem wie Satire vor, spiegelt aber leider das reale Leben, wie es sich zurzeit in den USA und dem Rest der Welt entwickelt", sagte Boyle ("Wassermusik", "América", "Willkommen in Wellville") der "Welt am Sonntag". Die Präsidentschaft Trumps habe noch nicht einmal offiziell angefangen - "und schon geht dieser Wahnsinn weiter, der ja im Wahlkampf kaum noch auszuhalten war", so der Schriftsteller.

Boyle (68) hat in den vergangenen Jahren stets die Demokraten unterstützt und sieht jetzt eine breite Gegenbewegung zu Trump entstehen. "Wir werden in den nächsten Jahren gegen alles protestieren, was Trump macht. Wenn sein Wahlsieg irgendetwas Positives bewirken sollte, dann vielleicht, dass sich wie während des Vietnamkriegs eine vielschichtige Protest-Kultur formiert - eine Gegenkultur zu Trump", sagte Boyle

Scheidender CIA-Direktor kontert Trump

Auch mit den Geheimdiensten steht Trump auf dem Kriegsfuß. Eine Replik kam am Sonntag vom scheidenden CIA-Direktor John Brennan. In einem Interview mit dem Sender "Fox News" plädierte Brennan dafür, Russland in Sachen Hacker-Angriffe nicht zu schnell freizusprechen.

Trump müsse beachten, was er sage - und stets die Konsequenzen bedenken. "Spontaneität ist nichts, was nationale Sicherheitsinteressen schützt." Es gehe nicht nur um die Person Trump. "Es geht um die Vereinigten Staaten von Amerika."

Er warf den Geheimdiensten Nazi-Methoden vor. Brennan nannte diese Trump-Aussage ungeheuerlich. Es sende kein gutes Signal in die Welt, wenn der künftige Präsident seinen eigenen Geheimdiensten nicht vertraue. Trump hatte auch lange öffentlich angezweifelt, dass Russland entgegen anderslautenden Erkenntnissen der US-Dienste hinter Hacker-Angriffen auf die Demokratische Partei zu Beeinflussung der Präsidentenwahl zu seinen Gunsten stehen könnte.

Vorläufig kein Treffen mit Putin

Trump-Berater und der Kreml dementierten unterdessen Medienberichte, dass bereits in einigen Wochen ein Treffen des neuen US-Präsidenten mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin geplant sei. Trump sprach sich dafür aus, die Beziehungen zu Russland zu verbessern. Dem "Wall Street Journal" sagte er, Sanktionen könnten aufgehoben werden, wenn sich die Regierung in Moskau bei der Bekämpfung der Islamisten-Miliz IS und bei der Erreichung anderer für die USA wichtiger Ziele als hilfreich erweise. Obama hatte Sanktionen gegen Moskau im Zusammenhang mit angeblich von Russland ausgehenden Hackerangriffen zur Beeinflussung der Präsidentenwahl verhängt.