Nicht so in diesem Jahr: Viele New Yorker weinten am nächsten Morgen in der U-Bahn, und am Abend zogen sie zu Tausenden auf die Straße. Zuerst versammelten sie sich am geschichtsträchtigen Union Square, der ein zentraler Punkt des politischen Protests ist: Hier hielt die Anarchistin Emma Goldman schon Ende des 19. Jahrhunderts Brandreden vor überarbeiteten Textilarbeitern.

10.000 Trump-Gegner auf der 5th Avenue

Ende 2016 schrien nun enttäuschte Wähler Slogans wie "Not my president" oder "Pussy grabs back" und machten sich auf zur größten Demo nach der Wahl: 10.000 Menschen zogen über die 5th Avenue zum Trump Tower. Die Demo war unorganisiert, viel Zeit zum Vorbereiten hatte es ja nicht gegeben. Da die Polizei die Straßen nicht gesperrt hatte, brachte die Menschenmasse Autos und LKW zum Stillstand, aber die festsitzenden New Yorker wurden ihrem Ruf, unfreundlich und ungeduldig zu sein, nicht gerecht: Die Truck-Driver hatten es sich auf ihren Fahrersitzen gemütlich gemacht und hupten solidarisch, Autofahrer kurbelten ihre Fenster runter, und gaben den Demonstranten High-Five.

"Lernt mal was über Demokratie"

Lediglich eine Frau war anderer Meinung, und schrie den Protestierenden entgegen: "Lernt mal was über Demokratie!". Gewissermaßen hatte sie Recht, und viele, die zuhause geblieben waren, fragten sich: Wogegen protestiert ihr eigentlich? Gegen ein demokratisches Wahlergebnis?

Auch die Demonstration am Samstag wird vor allem symbolischen Charakter haben und den Liberalen als Ventil dienen, so wie die medial viel beachtete Aktion, in der enttäuschte Wähler ihre Gefühle und Wünsche auf bunten Post-Its auf den Wänden der U-Bahnstation Union Square kundtaten. Ernsthaft infrage stellt die demokratische Legitimation Trumps kaum jemand. Die Botschaft der Proteststierenden lautet vor allem: Wir beobachten die neue Regierung genau.

"Alle hassen Hillary"

Doch gar so überraschend war Trumps Sieg rückblickend betrachtet nicht. Manche hatten eine böse Vorahnung. Ein Hacker-Aktivist teilte mir Wochen vor der Wahl besorgt mit, Trump könnte Präsident werden, denn Hillary habe zu viele Fehler gemacht. Er persönlich nahm ihr den E-Mail-Skandal übel. Und überhaupt: "Alle hassen Hillary". Natürlich gibt es etliche Gründe, Hillary Clinton nicht zu mögen. Gibt es aber nicht viel mehr Gründe, Trump nicht zu mögen?

Nuyoricans wählten Trump

Doch mit Argumenten kommt man bei Trump-Wählern nicht weit. In Washington Heights, jenem Teil Manhattans, in dem Hispanics in der Überzahl sind, traf ich auf zwei Frauen, Mutter und Tochter, die mir ihr Leid klagten: Die 30-jährige Tochter findet trotz Hochschulstudium keinen Job und lebt noch bei der Mutter, die immer steigende Miete können sie sich kaum noch leisten, sagen die "Nuyoricans", wie New Yorker mit puertoricanischen Wurzeln genannt werden. Sie wählten Trump, weil sie Veränderung um jeden Preis wollen.