Bogotá. Lange hat der damalige US-Präsident Barack Obama mit sich gerungen, um einen historischen Schritt zu tun: Die Tauwetter-Politik mit Kubas Kommunisten gehörte zu den wichtigsten Entscheidungen seiner Amtszeit. Der Besuch in Havanna, die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen: All das brachte Washington jenseits des Rio Bravo Respekt ein. Vertrauen, das die USA aufgrund der vielen CIA-Skandale in Lateinamerika und die Verstrickungen in die brutalen Militärdiktaturen des 20. Jahrhunderts verloren hatten.

All das setzt Donald Trump mit seinem Bau der Mauer zwischen den USA und Mexiko aufs Spiel. Als Folge ihrer Interventionspolitik haben die Vereinigten Staaten ohnehin schon viel Einfluss in ihrem oft spöttisch genannten Hinterhof verloren. Bis auf Kolumbien ist den USA kein wirklicher Verbündeter in der Region geblieben. Die vorsichtige Wiederannäherung mit Obama droht bereits eine Woche nach dem Amtsantritt mit Trump schon wieder das Aus.

Schon jetzt haben die USA den moralischen Führungsanspruch in der Region aufgrund ihrer jüngeren Vergangenheit im 21. Jahrhundert verloren. Am sichtbarsten wird das, wenn die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) versucht, in Venezuela oder Kuba diplomatisch einzugreifen. Die OAS-Initiativen verhallen wirkungslos, denn sie gelten als aus Washington gesteuert. Lateinamerikas Linksregierungen wollen ohnehin, dass der OAS-Sitz aus Washington in ein südamerikanisches Land verlegt, damit er den Stempel eines US-amerikanischen Gefälligkeitsinstituts verliert.

Selbst anerkannte unabhängige Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch bekommen die Wut der Lateinamerikaner auf die USA zu spüren. Kritisieren sie Verfehlungen in der Region, heißt es fast reflexartig aus Caracas oder Havanna: Washington hat uns ganz nichts zu sagen, obwohl die US-Regierung überhaupt keinen Einfluss auf die Organisation hat.

Trump lädt Pena Nieto aus


Die Mauer zwischen den USA und Mexiko zementiert die selbst gewählte Isolation der USA gegenüber dem Rest Amerikas. Das wird zu einer weiteren Selbstständigkeit Lateinamerikas führen. Schon jetzt wächst der Einfluss relativ junger Staatenbündnisse wie Südamerikas Unasur oder das flächendeckende Lateinamerika-Karibikbündnis Celac. Die USA sind aus dem Spiel. Ecuadors Linkspopulist Rafael Correa träumt gar von einer eigenen lateinamerikanischen Menschenrechtskommission.