Washington. Für Donald Trump lief es nicht gut in den vergangenen vier Wochen. Großen Ankündigungen folgten herbe Niederlagen. Jetzt flüchtete er in die Offensive - mit einer Pressekonferenz, der man ruhig den Stempel "denkwürdig" aufdrücken darf.

Zweifel am Verstand des US-Präsidenten


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Die Trump-Pressekonferenz im Wortlaut
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Der Präsidenten-Auftritt schlug auch in Europa hohe Wellen. Spiegel online titelte: "Einen Arzt, bitte! - Man weiß jetzt, es ist an der Zeit, am Verstand des US-Präsidenten zu zweifeln."

Von Trumps "Alternativer Realtiy-Pressekonferenz" sprach der "New Yorker". Das Tech-Magazin "Wired" merkte zurecht an, dass es auf den politischen Standpunkt ankommt, wie man den Auftritt des Präsidenten einschätzte: Die Mainstream-Medien - CNN, NBC, Washington Post, New York Times - beschrieben eher einen Präsidenten, der außer sich, ja gefährlich zu sein schien. Breitbart-News, das rechtspopulistische Online-Basislager der Trump-Bewegung, berichtete von einer "epischen Pressekonferenz", in der die klassischen "Medien entsorgt wurden".

Freilich überwogen die Kritiker: Der CNN-Journalist Jake Tapper nannte Trumps Auftritt "verstörend" und "wild". Auch Nicht-Journalisten meldeten sich zu Wort. Die Bestseller-Autorin J.K. Rowling fühlte sich an einen Grusel-Film erinnert.

Das so genannte Mainstream-Amerika rätselte auch noch am Freitag über die Trump-Show: Was war das? Ein Wahlkampfauftritt? Eine Bilanz? Ein Gesprächsangebot? Eine erneute Kriegserklärung an die Medien? Donald Trumps am Donnerstag kurzfristig und überraschend anberaumte  Pressekonferenz war in der Tat episch: So etwas hat man im Weißen Haus noch nicht gesehen. Hastige Erklärungsversuche, harte Angriffe, wirre Phrasen, dann wieder kurze Momente ernsthafter Nachdenklichkeit und väterlicher Gönnerhaftigkeit prägten den Auftritt.

Ein einziger Fehlschlag

Die vergangenen Wochen müssen an Donald Trump gezehrt haben. Ein vor Gericht durchgefallener Einreise- und Flüchtlingsstopp, eine Dauerdebatte um die Russland-Kontakte des inzwischen geschassten Sicherheitsberaters Michael Flynn, zunehmende Kritik aus der eigenen Partei, verheerende Umfragewerte: Donald Trumps erste vier Wochen im Weißen Haus waren ein einziger Fehlschlag, von Chaos ist die Rede, von einem Hauen und Stechen innerhalb seines innersten Zirkels, von Ratlosigkeit in den teils noch immer führungslosen Ministerien.