Moskau. Die russische Führung hat den massiven Polizeieinsatz gegen kritische Demonstranten am Sonntag verteidigt. "Die Ordnungshüter sind absolut korrekt, hochprofessionell und legal vorgegangen", sagte der Sprecher des Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, am Montag in Moskau.

Bei den Protesten gegen Korruption waren nach Angaben der Menschenrechtsorganisation OVD Info allein in Moskau mehr als 1.000 Demonstranten festgenommen worden. Dazu zählten viele Minderjährige. Die Polizei sprach von 600 Festnahmen. Landesweit waren mehrere Zehntausend Menschen nach einem Aufruf des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny auf die Straße gegangen. Auch in anderen Städten gab es Dutzende Festnahmen.

Geldstrafe für Nawalny

Der festgenommene russische Oppositionspolitiker Nawalny ist von einem Moskauer Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Für die Organisation der nicht erlaubten Demonstration in der Hauptstadt müsse er 20.000 Rubel (rund 320 Euro) zahlen, urteilte die Richterin Alessja Orechowa russischen Agenturen zufolge.

Der Kreml analysiere das Ausmaß der Proteste nüchtern, sagte Peskow der Agentur Interfax zufolge. Er werde sie weder über- noch unterschätzen. Es gebe Kräfte, die engagierte Bürger zu illegalen und nicht zugelassenen Aktionen aufwiegelten, warnte er.

Deutschland fordert Freilassung  der Demonstranten

Die deutsche Bundesregierung hat die Festnahme der Demonstranten in kritisiert und die Freilassung der Festgenommenen gefordert. Regierungssprecher Steffen Seibert äußerte am Montag in Berlin "Unverständnis und Sorge" über die Festnahme hunderter friedlicher Demonstranten in Moskau und anderen russischen Städten.

Diejenigen, die noch festgehalten würden, sollten "rasch" wieder in Freiheit kommen. Seibert erinnerte daran, dass sich Russland zu den Prinzipien des Europarats und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bekenne - dazu gehörten auch das Recht auf Versammlung und freie Meinungsäußerung. Dass dies eingehalten werde, sei "von hoher Bedeutung", sagte der Regierungssprecher.

Auch in Weißrussland gehen Menschen auf die Straße

Ähnlich äußerte sich Seibert zur Entwicklung in Weißrussland, wo die Behörden in den vergangenen Tagen zahlreiche Demonstranten festnahmen. Die Festgenommenen müssten "umgehend" freigelassen werden, forderte Seibert.

In Weißrussland waren am Samstag bei einer Kundgebung in der Hauptstadt Minsk nach Angaben von Bürgerrechtlern mehrere hundert Menschen festgenommen worden. Sie hatten gegen eine Sondersteuer für "Wenigarbeiter" protestiert und den Rücktritt des langjährigen Machthabers Alexander Lukaschenko gefordert.

Lukaschenko hatte per Dekret verfügt, dass Menschen, die weniger als sechs Monate im Jahr arbeiten, eine Steuer von umgerechnet 189 Euro zahlen müssen. Damit solle "Sozialparasitentum" verhindert werden. Angesichts der Proteste setzte er das Dekret vorläufig wieder außer Kraft.