Männerfreundschaft
blieb Wunschdenken

Die Methode der punktuellen Bestrafung hat Trump nicht erfunden, schon in den 1980er Jahren haben die USA Luftangriffe auf Libyen geflogen, weil man Muammar Gaddafi für einen Terroranschlag bestrafen wollte. Ein größerer Feldzug wurde nicht daraus. Einem Paukenschlag kommt gleich, dass Trump Russland massiv vor den Kopf stößt. Lange war man davon ausgegangen, dass Trump eine "Männerfreundschaft" mit Putin anstrebe, davon ist nichts zu merken. Putin versuchte mehrmals, ein Treffen mit Trump zu arrangieren, stets umsonst. Im Vorfeld des Angriffs war man allgemein davon ausgegangen, dass die USA in Syrien militärisch nur sehr beschränkt handlungsfähig seien, weil Russland mittels Raketenabwehrsystem den Luftraum kontrolliere. Die 59 Marschflugkörper wurden aber nicht abgeschossen - wäre das passiert, hätte es zu einem größren Zusammenstoß zwischen Russland und den USA geführt. Angeblich soll das russische Abwehrsystem S-400 nicht einmal aktiviert worden sein.

Washington versucht in Syrien, von der bloßen Reaktion zur Aktion zu kommen. Moskau wurde vor dem Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt zwar informiert, auf eine Erlaubnis wurde aber nicht gewartet. Immerhin hatten die Russen Zeit, ihre Leute abzuziehen. Washington beginnt, den Spieß umzudrehen. Nachdem zunächst Russland den USA vorgeworfen hatte, in Syrien nichts erreicht zu haben, und dann mit militärischen Kräften aktiv wurde, geht US-Außenminister Rex Tillerson jetzt rhetorisch in die Offensive: Russland habe in seiner Verantwortung versagt, Tillerson verwies auf Zusagen Russlands, chemische Waffen in Syrien zu sichern und zu zerstören.

Gefahr eines Missverständnisses

Jetzt entwickelt sich ein gefährliches Spiel. Die Russen finden sich plötzlich in der Rolle des empört Protestierenden wieder, der im UN-Sicherheitsrat mit seinen Forderungen nicht durchdringt. Machtmensch und Kremlherr Wladimir Putin will das Gesicht nicht verlieren und hat das Koordinierungsabkommen für den syrischen Luftraum mit den amerikanischen Streitkräften ausgesetzt. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes, wie er schon zwischen der Türkei und Russland für eine brenzlige Situation gesorgt hat, als ein türkischer Kampfjet einen russischen abschoss. Im syrischen Luftraum ist es schon mehrmals zu gefährlichen Zwischenfällen gekommen, weil sich hier auf engstem Raum zahlreiche kriegführende Mächten drängen.

Assad, an dessen Händen das meiste Blut im Syrien-Konflikt klebt, ist jetzt gewarnt. Seit dem russischen Eingreifen in den Konflikt ist er auf der Siegerstraße, im Dezember haben seine Truppen Aleppo erobert. Der Erfolg dürfte dem Diktator zu Kopf gestiegen sein. Zuletzt hat er hochmütig verkündet, dass er an Verhandlungen nicht interessiert sei. Er muss wieder damit rechen, von den USA jederzeit in die Schranken gewiesen zu werden.