New York/Wien. (sig/reu) Glaubt man Medienberichten vom Mittwoch, dann sind die Warnungen des UN-Generalsekretärs im Wind verhallt. Antonio Guterres nannte am Dienstag zwar keine Namen, dennoch wissen alle, wen er meinte. Ähnlich, wie es die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am Wochenende in einem bayerischen Bierzelt vorgemacht hatte, richtete auch Guterres US-Präsident Donald Trump in einer Rede vor Studenten in New York eine wichtige Botschaft aus: Die USA sollen sich an Abkommen halten, anstatt am Klimavertrag von Paris zu rütteln.

Doch könnte Trump nun offenbar genau das tun. Wie das Online-Magazin "Axios" und weitere US-Medien am Mittwoch unter Berufung auf zwei nicht genannte Quellen berichteten, wollen sich die USA aus dem Pariser Klimaabkommen zurückziehen. Trump wollte die Meldung weder bestreiten noch bestätigen. Er werde seine Entscheidung in den kommenden Tagen mitteilen, schrieb er auf Twitter. Nachsatz: "Make America Great Again!"

Klimawandel als
Erfindung der Chinesen

Laut "Axios" steht die Entscheidung schon fest, lediglich die genaue Umsetzung werde noch diskutiert. Eine kleine Gruppe, darunter der Chef der US-Bundesumweltbehörde EPA Scott Pruitt, müsse entscheiden, ob die USA einen vollständigen Austritt aus dem Klimavertrag einleiten werden. Das würde wohl Jahre dauern. Trump könnte sein Land aber auch aus dem Rahmenvertrag der Vereinten Nationen über Klimaänderungen herausnehmen - und sich damit komplett aus der UN-Klimapolitik verabschieden. Selbst, wenn die USA nicht aus dem UN-Klimaprozess aussteigen, können sie ihn immer noch blockieren: So sieht der Vertrag keine Sanktionen vor, sollten die USA ihre Ziele zur Eindämmung der Treibhausgase ignorieren.

Alle diese Möglichkeiten sind denkbar, denn Trump hat früh klargemacht, was er vom Klimaabkommen hält. Bereits 2012 behauptete er auf Twitter, die Chinesen hätten das Konzept des Klimawandels erfunden, um der US-Wirtschaft zu schaden. Im Wahlkampf legte er nach: Der Vertrag sei "schlecht fürs Geschäft" und gebe ausländischen Bürokraten die Kontrolle über die heimische Energiepolitik.

Eigentlich wollte Trump den Klimavertrag bereits in seinen ersten 100 Tagen als Präsident "annullieren" - die sind allerdings bereits abgelaufen. Der Immobilienmogul ist bekannt dafür, häufig seine Meinung zu ändern. Sollte er sein Wahlkampfversprechen diesmal einlösen, ist die internationale Klimapolitik wohl zum Scheitern verurteilt.

Das Pariser Klimaabkommen gilt vielen Umweltschützern als letzte Chance, die große Katastrophe abzuwenden. Ende 2015 beschlossen, hat es das Ziel, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren und damit die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Nun wollen zwar sowohl die Vereinten Nationen als auch die EU am Klimavertrag festhalten. Doch ist fraglich, ob Europa und China, das schon länger auf nachhaltige Energien setzt, stark genug sind, um die Klimaziele durchzusetzen.

Die Fortschritte sehen schon jetzt dürftig aus. Die Unterzeichnerstaaten haben bis Endes des Jahres Zeit mitzuteilen, wie sie ihre Klimaziele erreichen wollen. Doch zeichnet sich bereits ab, dass eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad bis 2030 gar nicht möglich ist, wenn es weitergeht wie bisher. Auch Österreich ist weit entfernt von einer Reduktion der Treibhausgase um 40 Prozent im Vergleich zu 1990. "Wir sind nicht auf Schiene", heißt es dazu vonseiten der UN. In den OECD-Ländern ist die Nutzung fossiler Brennstoffe in den vergangenen Jahren sogar gestiegen.

In den USA sind die Emissionen wegen des Umstiegs auf Fracking-Gas zwar rückläufig und auch der Ökostromanteil wächst. Doch belastet das Land die Umwelt nach wie vor enorm. Nur China produziert mehr Treibhausgase. Und Trump hat angekündigt, die von Jobverlusten gezeichnete Kohleindustrie wieder zu stärken.

Politik zwischen
Bierzelt und Twitter

Bereits am Wochenende, beim G7-Gipfel im sizilianischen Taormina, wollte sich der US-Präsident als einziger Staats- und Regierungschef nicht zum Pariser Klimaschutzvertrag bekennen. Trump kündigte an, er werde diese Woche entscheiden, ob er das Abkommen unterstützt oder nicht.

Kein Wunder also, dass Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit seinem Optimismus recht alleine dastand. Er sprach nach der Debatte mit Trump über das Klimaabkommen noch von einem "Fortschritt". Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel war indes sichtlich genervt über Trumps Alleingang - und machte ihrem Ärger bei einer CSU-Veranstaltung in einem Bierzelt im bayerischen Trudering Luft. "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, sind ein Stück weit vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt", sagte sie und ging damit merklich auf Distanz zu den USA. Trumps Antwort folgte wie üblich auf Twitter: "Wir haben ein MASSIVES Handelsdefizit mit Deutschland, außerdem zahlen sie VIEL WENIGER für Nato und Militär, als sie sollten. Sehr schlecht für die USA. Das wird sich ändern."