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Washington. (klh/apa/reu) Es ist ein politisches Ereignis, dem fast schon wie einem großen Sport-Event entgegengefiebert wird: Am Donnerstag sagt der von US-Präsident Donald Trump gefeuerte Direktor der Bundespolizei FBI, James Comey, vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats aus. Viele Bars in Washington sperren deshalb früher auf, damit Interessierte die Anhörung beim Public Viewing gemeinsam anschauen können. Den Wodka gibt es dazu für Washingtoner Verhältnisse vielerorts sehr billig - etwa in "Shaw’s Tavern" um fünf Dollar pro Stamperl. Die "Washington Post" hat sich auch schon das passende Trinkspiel ausgedacht: Jedes Mal, wenn das Wort Putin fällt, muss getrunken werden.

Wer das macht, wird danach wohl nicht mehr ganz arbeitsfähig sein: Die Beziehungen zu Russland sind das große Thema dieses Senats-Ausschusses: Trumps Wahlkampfteam werden illegale Kontakte zu Russland vorgeworfen. Der Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn musste zurücktreten, weil er über Telefonate mit dem russischen Botschafter die Unwahrheit gesagt hatte.

Amtsenthebungsverfahren könnte folgen


Besonders heikel für Trump ist aber der Vorwurf, dass er in einem Vier-Augen-Gespräch Druck auf Comey ausgeübt haben soll, damit dieser die Ermittlungen gegen Flynn einstellt. Dies geht laut US-Medien aus den Aufzeichnungen Comeys hervor.

Das würde den Tatbestand der versuchten Behinderung der Justiz darstellen - und könnte ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump zur Folge haben. Es könnte also sehr eng für den US-Präsidenten werden. Deshalb wird Comeys Aussage, die dieser unter Eid tätigen wird, mit so viel Spannung erwartet.

Zusätzliche Brisanz brachte schon am Mittwoch ein Bericht der "Washington Post", bei dem sich diese auf anonyme Regierungsquellen berief: Demnach soll Trump in der Russland-Affäre auch Druck auf den Nationalen Geheimdienstdirektor Daniel Coats ausgeübt haben, damit dieser auf Comey einwirke, für Trump unangenehme Ermittlungen einzustellen.

Coats sagte bereits - gemeinsam mit anderen Spitzenvertretern der US-Geheimdienste und Vize-Justizminister Rod Rosenstein - am Mittwoch vor dem Kongress aus: Dabei war zwar die Überwachung von US-Bürgern das offizielle Thema, aber auch die Russland-Affäre wurde thematisiert. Coats gab sich eher wortkarg, meinte aber ganz allgemein, dass er in seinen bisherigen Gesprächen mit Trump sich keinem Druck ausgesetzt sah, in irgendeiner Weise zu intervenieren.