SanJuan/Washington. (dpa) Die Karibikinsel Puerto Rico hat Milliarden-Schulden. Bei einer Volksabstimmung sollen die Puerto Ricaner nun über den künftigen Status des US-Außengebiets entscheiden. Sollte Puerto Rico ein Bundesstaat werden, müsste Washington für die Schulden geradestehen.

Am kommenden Sonntag stimmen die Puerto Ricaner über den künftigen Status der Karibikinsel ab. Die Wähler können für die Unabhängigkeit, die Aufnahme durch die USA als vollwertiger Bundesstaat und die Beibehaltung des bisherigen Status stimmen. Die Entscheidung des Referendums ist allerdings nicht bindend. Nur der US-Kongress kann den Status der Insel ändern. Die regierende Neue Progressive Partei plädiert für eine Aufnahme der Insel als Bundesstaat in die USA. Die Oppositionsparteien haben zu einem Boykott der Abstimmung aufgerufen.

Als US-Außengebiet gehört Puerto Rico derzeit nicht zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Zwar sind seine Bewohner US-Bürger, aber sie dürfen nicht an den Präsidentenwahlen teilnehmen, und ihre Delegierten im Kongress in Washington haben kein Stimmrecht.

Der Schauspieler Benicio del Toro und der Sänger Ricky Martin stammen aus Puerto Rico. Die US-Bundesrichterin Sonia Sotomayor und die Pop-Diva Jennifer Lopez haben puerto-ricanische Vorfahren. Zahlreiche Puerto Ricaner kämpfen in den US-Streitkräften. Trotzdem fühlen sich die Inselbewohner als Bürger zweiter Klasse. "Puerto Rico ist eine Insel von US-Bürgern ohne Bürgerrechte", sagt Gouverneur Ricardo Rossello. Der Regierungschef will, dass Puerto Rico als 51. Bundesstaat in die Vereinigten Staaten aufgenommen wird. Doch in Washington hält sich die Begeisterung in Grenzen.

Die republikanische Mehrheit im Kongress dürfte wenig Interesse an der Aufnahme der Karibikinsel haben, da sie befürchtet, dass die Puerto Ricaner mehrheitlich demokratisch wählen würden. US-Präsident Donald Trump hat sich immer wieder abfällig über Latinos geäußert und wäre von der Aufnahme des spanischsprachigen Puerto Ricos wohl ebenso wenig begeistert.

Vor allem geht es aber ums Geld. Puerto Rico ist praktisch pleite und könnte Finanzhilfen aus Washington gut gebrauchen. In einer Art Konkursverfahren werden derzeit die Verbindlichkeiten von rund 70 Milliarden US-Dollar restrukturiert.

Als Bundesstaat könnte sich Puerto Rico nach US-Insolvenzrecht für zahlungsunfähig erklären, wie es beispielsweise die Stadt Detroit getan hat. Dann müsste Washington wohl zumindest teilweise für die Schulden aus Puerto Rico geradestehen. Langfristig dürfte aber auch ein Bailout nicht helfen. Puerto Rico leidet unter einem aufgeblähten Staatsapparat, hohen Sozialausgaben, der Abwanderung vieler junger Leute und einer schlechten Infrastruktur.