Mossul. (reu/dpa) Schockiert und wütend haben die Menschen in der irakischen Stadt Mossul auf die Sprengung der berühmten Al-Nuri-Moschee durch die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) reagiert. "Es ist, als sei ein Teil von mir gestorben", sagte der 54-jährige Lehrer Ahmed Said am Donnerstag. Die Stadt werde nicht mehr dieselbe sein ohne die Moschee mit dem schiefen Minarett, die Mossul fast 850 Jahre lang geschmückt habe. IS-Kämpfer hatten nach irakischen Angaben das Gebäude am Vorabend in die Luft gesprengt, nachdem irakische Sondereinheiten bis auf 50 Meter an das Gotteshaus herangerückt waren.

Die Moschee ist für den IS von großer symbolischer Bedeutung. 2014 hatte dort der IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi ein Kalifat in den vom IS kontrollierten Gebieten Syriens und Iraks ausgerufen. Auf dem 45 Meter hohen Minarett wehte seitdem die schwarze IS-Fahne. Offenbar wollten die Extremisten verhindern, dass irakische Soldaten die Flagge herunterholen und diese Bilder um die Welt gehen. Sie beschuldigten zugleich die US-Streitkräfte, die Moschee bombardiert zu haben. Die USA haben umgehend jegliche Verantwortung für die Zerstörung der Moschee zurückgewiesen. "Wir sind keine Angriffe in dieser Region geflogen", betonte ein Sprecher der US-Luftwaffe der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Kommandeur der Bodentruppen der Anti-IS-Koalition, US-Generalmajor Joseph Martin, machte in einer Erklärung - wie das irakische Militär - den IS für die Sprengung verantwortlich. Er sprach von einem "Verbrechen gegen das Volk von Mossul und des ganzen Irak und ein Beispiel dafür, warum diese brutale Organisation vernichtet werden muss". In einer Erklärung der irakischen Regierung hieß es, die Zerstörung der Moschee "entspricht einem offiziellen Eingeständnis der Niederlage" durch den IS.

Frevel im Ramadan


Für viele Muslime ist nicht allein die Sprengung, sondern auch der Zeitpunkt ein schwerer Frevel. Sie erfolgte in der für Muslime heiligsten Periode des Fastenmonats Ramadan. In die letzten zehn Tage des Ramadan fällt der Abend, an dem sie die Offenbarung des Korans an den Propheten Mohammed begehen. Siad, ein Kunststudent aus Mossul, sagte, die Stadt sei in den vergangenen 900 Jahren von vielen Feinden beherrscht worden, aber niemand habe es jemals gewagt, die Moschee zu zerstören. Die Sprengung zeige, dass die IS-Extremisten die schlimmsten Barbaren der gesamten Geschichte seien.

Das Gebetshaus geht auf das Jahr 1172 zurück und ist auch als Al-Nuri-Moschee bekannt, benannt nach Nur al-Din Sinki, einem Herrscher, der den Bau in Auftrag gab. Berühmt war die Moschee nicht zuletzt wegen ihres schiefstehenden Minaretts, das vom Einsturz bedroht war. Es wurde auch "Al-Hadba" ("Die Gekrümmte") oder scherzhaft "Der schiefe Turm von Mossul" genannt. Ungeeignetes Baumaterial und Wind sollen für die Schieflage verantwortlich sein.

Mit unverminderter Härte gehen derweil die Kämpfe um die letzten Teile der Innenstadt von Mossul weiter. Nach Angaben eines US-Offiziers blieben noch zwei Quadratkilometer bis zur völligen Befreiung der Stadt. Irakische Truppen hatten vergangenen Herbst mit der Offensive auf die wichtigste Stadt im Irak unter Kontrolle des IS begonnen. Während der heftigen Kämpfe wurden tausende Menschen getötet und hunderttausende vertrieben.