Washington/Wien. (klh) Donald Trump soll dem indischen Premier die Leviten lesen - zumindest, wenn es nach führenden Mitgliedern des US-Kongresses geht. Der US-Präsident traf am Montag zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt mit Narendra Modi zusammen. Die Besprechung samt Dinner in Washington (nach Redaktionsschluss) sollte zunächst dazu dienen, dass sich die beiden Politiker persönlich kennenlernen und eher unverbindlich ihre Gesprächsbasis ausloten. Für viele US-Politiker war das aber zu wenig - sie forderten, dass Trump sofort Klartext redet.

Vor allem Indiens Wirtschaftspolitik ist den US-Vertretern ein Dorn im Auge. "Viele Sektoren der indischen Wirtschaft werden stark und auf ungerechtfertigte Weise geschützt, sodass es für amerikanische Firmen schwierig bleibt, dort Geschäfte zu machen", schrieb eine Gruppe Abgeordneter, sowohl aus der demokratischen als auch aus der republikanischen Partei, in einem Brief an Trump. Sie beklagten sich, dass Indien durch hohe Zölle, einem schlechten Schutz von geistigem Eigentum und undurchsichtige Regularien Barrieren errichten würde.

Trump soll sich also bei Modi über den indischen Protektionismus beschweren. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Trump will die US-Industrie ja ebenfalls durch protektionistische Maßnahmen schützen und hat etwa schon mehrfach angedroht, Autobauer, die ihre Produktion nach Mexiko auslagern, mit Strafzöllen zu belegen.

Andere Voraussetzungen, ähnliche Ziele

Wenn auch die Vorzeichen und Bedingungen gänzlich unterschiedlich sind, verfolgen Trump und Modi ähnliche Ziele. Beide Politiker setzen darauf, möglichst viel industrielle Produktion in ihr Land zu holen. "America first" wird diese Politik auf der einen Seite betitelt, "Make in India" auf der anderen. Trump will damit seinen Wählern aus herabgekommenen Industrieregionen, in denen die Fabriken stillstehen, ihre alten Arbeitsplätze zurückbringen. Modi will neue Fabriken aufbauen, neue Jobs schaffen und damit Millionen Menschen aus der Armut holen.

Damit kommen sich Trump und Modi in die Quere: Besonders augenscheinlich wird das im Fall der F-16-Kampfbomber. Der US-Konzern Lockheed und das indische Unternehmen Tata haben vereinbart, dass US-Flieger künftig in Indien produziert werden. Lockheed zielt offenbar darauf ab, sich einen Großauftrag der indischen Armee zu angeln. Diese will alte, noch aus der Sowjetunion stammende Kampfflugzeuge ersetzen. Zudem kann Lockheed in Indien viel billiger produzieren. Die Jobs in Indien fehlen dann nicht in den Vereinigten Saaten - und genau solche Industriejobs will Trump in den USA angesiedelt sehen.

Generell ist Rüstung derzeit eines der Hauptthemen in den Beziehungen zwischen Indien und den USA. Die indischen Streitkräfte sind einer der besten Kunden der US-Waffenhersteller. Indien will 22 unbewaffnete Drohnen um zwei Milliarden US-Dollar kaufen. Der US-Kongress muss dem Geschäft noch zustimmen, was aber als wahrscheinlich gilt. Der Deal ist umstritten: Erstens ist er ein Affront gegenüber Indiens Erzfeind Pakistan, mit dem die USA ebenfalls immer wieder Kooperationen eingegangen sind. Außerdem wird der Drohnen-Verkauf dem zweiten asiatischen Riesen, nämlich China, nicht gefallen. Trump braucht aber derzeit China, um gegen Nordkoreas Atomwaffenprogramm vorgehen zu können.

Trumps Wahl löste
in Indien Sorgen aus

Das Drohnen-Geschäft war schon unter Trumps Vorgänger Barack Obama eingefädelt worden. Dieser pflegte ein gutes Verhältnis zu Modi. Die Wahl von Trump, der Indien etwa als vermeintlichen Profiteur des Pariser Klimaabkommens angriff, hat in indischen Medien Sorgen ausgelöst, dass sich die Beziehungen verschlechtern werden.

Dabei pflegen Trump und Modi keinen unähnlichen Politstil: Beide schlagen gerne nationalistische und anti-moslemische Töne an, beide fachen den Zorn der Wähler an, um ihn für sich zu nutzen.