Wien/Riad/Doha. (reu/sig) Die 13 Forderungen haben es in sich: Katar soll etwa den Fernsehsender Al-Jazeera sowie eine türkische Militärbasis schließen, seine Beziehungen zum Iran zurückfahren und die Verbindungen zum "Islamischen Staat" und zu Al-Kaida kappen. Ansonsten, so die Drohung einer Koalition aus Saudi-Arabien, Bahrain, der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten, bleibt die Handels- und Verkehrsblockade erhalten.

Bis Sonntag Mitternacht hatte Doha Zeit, den Forderungen nachzukommen - nichts geschah. Am Montag wurde die Frist um 48 Stunden verlängert. Fraglich bleibt, was die vier Staaten mit den Forderungen bezwecken wollen. Würde Doha ihnen nachkommen, dann widerspräche das der eigenständigen Außenpolitik, die das kleine, reiche Land am Persischen Golf seit Jahrzehnten verfolgt. Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani hat bereits erklärt, die Forderungen seien so drakonisch, dass sein Land sie ablehnen müsse. Die Beziehungen zum IS und zu Al-Kaida könne Katar nicht beenden, weil es gar keine gebe. Und verhandeln wolle man erst, wenn die Blockade beendet ist.

Am Mittwoch wollen die Außenminister der arabischen Anti-Katar-Allianz in Kairo darüber beraten, wie sie Doha weiter unter Druck setzen können. Örtliche Bankiers fürchten, dass die Geldhäuser der Emirate, Saudi-Arabien und Bahrain die Anweisung bekommen, ihre Mittel aus dem ölreichen Zwergstaat abzuziehen. Der Außenminister der VAE Anwar Gargasch hat auch angedeutet, dass Katar aus dem Golf-Kooperationsrat (GCC) ausgeschlossen werden könnte. Denkbar ist auch, dass die Staaten der Allianz ihre Handelspartner vor die Wahl stellen, entweder mit ihnen oder mit Katar Geschäfte zu machen.

Wegen der Krise sagte indes Saudi-Arabiens König Salman seine Teilnahme am G20-Gipfel am kommenden Wochenende ab. Statt ihm soll nun Finanzminister Mohammed al-Jadan nach Hamburg fliegen.

In die Golf-Region reiste am Montag der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel. "Was es jetzt braucht, ist ein ernsthafter Dialog zwischen den Beteiligten, um konstruktive Lösungsansätze durch Verhandlungen zu entwickeln", sagte er. Zwar werde Deutschland in dem Konflikt nicht Partei ergreifen. Doch will Gabriel mit Vertretern aller Konfliktparteien sprechen.

Janusköpfige US-Außenpolitik

Denn der Streit betrifft auch deutsche Interessen wie den Kampf gegen den IS. Zudem hat Berlin handfeste politische Anliegen: Rund 2000 Deutsche leben in dem Land von der Größe Oberösterreichs, das Handelsvolumen liegt bei fast drei Milliarden Euro. Und Katar ist ein strategischer Investor bei Volkswagen und der Deutschen Bank.

Auch US-Präsident Donald Trump brachte seine "Sorgen über den laufenden Disput" zum Ausdruck. Am Sonntag telefonierte er mit Staats- und Regierungschefs in Saudi-Arabien, Katar und den VAE. Dabei hat Trump maßgeblich zu dem Konflikt beigetragen. Mit seinem umstrittenen Besuch in Riad und der demonstrativen Unterstützung Saudi-Arabiens hat er den Gottesstaat wahrscheinlich erst zur Blockade Katars ermutigt. Doch dann dürfte auch dem US-Präsidenten klar geworden sein, wie wichtig der Ölstaat für die USA ist: Hier liegt ihre größte Militärbasis am Golf, von hier aus werden die Luftschläge in Syrien und im Irak koordiniert. Anfang Juni goss Trump noch Öl ins Feuer - und stellte sich auf Twitter auf die Seite Saudi-Arabiens. Nun heißt es aus dem Weißen Haus, die Konfliktländer sollten die "Familienangelegenheit" unter sich klären. Milliardenschwere Rüstungsabkommen unterhält Washington mit Saudi-Arabien wie Katar.

Mit Saudi-Arabien haben die USA gemeinsam, dass beide den Iran isolieren wollen, während Katar diplomatische Beziehungen zu Teheran unterhält. Als die vier arabischen Länder vor einem Monat ihre diplomatischen Kontakte zu Doha kappten, hieß es zudem, Katar unterstütze die Muslimbruderschaft in Ägypten und in anderen sunnitischen Staaten. Al-Jazeera sei eine Plattform für Extremisten und mische sich in die Angelegenheiten der vier Staaten ein. Saudi-Arabien und seinen Mitstreitern ist der TV-Sender schon immer ein Dorn im Auge. Denn der Fernsehsender mit internationaler Reichweite berichtet auch kritisch über die Situation in den Golfstaaten.

In den vergangenen Tagen hat sich der Ton dann noch einmal verschärft. Doha wird den Forderungen dennoch nicht nachgeben. Auch der kleine Golfstaat steht nicht alleine da: Die Türkei und der Iran unterstützen Katar. Mehrere tausend Tonnen Hilfsgüter haben den Zwergstaat bereits erreicht.