Islamabad. Der vom Obersten Gerichtshof des Amtes enthobene pakistanische Ministerpräsident Nawaz Sharif will zunächst keinen Widerstand gegen die Entscheidung leisten. In einer am Freitag verschickten Stellungnahme seines Büros heißt es, der Ministerpräsident sei sofort nach der Entscheidung der fünf Richter zurückgetreten.

Er habe aber "starke Vorbehalte" gegen das Urteil und werde alle "Möglichkeiten der Konstitution und des Rechts nutzen".

Der Oberste Gerichtshof Pakistans hat Ministerpräsident Nawaz Sharif seines Amtes enthoben. Hintergrund sind Vorwürfe wegen Geldwäsche und Korruption. In einem ersten Verfahren vor dem Gerichtshof im Frühjahr waren sich die fünf Richter des Verfahrens nicht einig über die Bewertung der angeblichen Verfehlungen Sharifs gewesen.

"Er ist nicht mehr qualifiziert, ein ehrenwertes Mitglied des Parlaments zu sein, und er ist auch nicht mehr als Ministerpräsident im Amt", erklärte Richter Ejaz Afzal Khan. Auch Finanzminister Ishaq Dar wurde nach einem Bericht des Staatsfernsehens vom dem Gericht seines Amtes enthoben.

Sharif spricht von Verschwörung

Ein Untersuchungsausschuss hatte festgestellt, dass die Familie des Regierungschefs nicht belegen könne, wie sie zu ihrem großen Reichtum gekommen sei. Die Einkommen würden dazu nicht ausreichen. Das Gericht ordnete auch strafrechtliche Ermittlungen gegen Sharif und dessen Familie an. Der 67-Jährige hat alle Vorwürfe zurückgewiesen und spricht von einer Verschwörung gegen ihn.

Finanzminister Dar war Sharifs Steuerberater und hat dem Obersten Gericht Dokumente darüber übergeben, wie dessen Familie zu ihrem Vermögen gelangte. Dazu gehört ein Portfolio von teuren Immobilien in London. Dar galt als eines der einflussreichsten Kabinettsmitglieder und sollte das Land nach der Finanzkrise 2013 wieder auf eine solidere Basis stellen.

Verstrickungen in Panama Papers

Für Sharif ist es der dritte vorzeitige Abschied aus dem Amt des Regierungschefs. Schon in den 1990er Jahren war er zweimal entmachtet worden, darunter 1999 durch einen Militärputsch. Nach der Rückkehr aus dem Exil gewann er überlegen die Parlamentswahl 2013. (

Medien hatten 2016 Details über gut 200.000 Briefkastenfirmen der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca veröffentlicht, in denen Politiker, Prominente und Sportler ihr Vermögen geparkt haben sollen. Die Veröffentlichung führte zu weltweiten Ermittlungen und einer Debatte über Steueroasen und Geldwäsche. In den Dokumenten tauchten auch die Namen von Kindern des pakistanischen Regierungschefs auf, nicht aber sein eigener.