Islamabad. Zweimal stürzte ihn Pakistans mächtige Armee, diesmal brachten ihn die Richter zu Fall: Pakistans Regierungschef Nawaz Sharif verlor am Freitag sein Amt. Das Oberste Gericht in der Hauptstadt Islamabad entschied, dass der 67-jährige Politiker nicht länger qualifiziert sei, Premierminister von Pakistan zu bleiben. Sharif und seine Familie sind wegen einer Korruptionsaffäre um die Panama-Papiere belastet und müssen mit weiteren Untersuchung rechnen.

Damit muss Sharif zum dritten Mal aus seiner Residenz in Islamabad ausziehen, ohne je eine volle Amtszeit von fünf Jahren abgeleistet zu haben. Der Multimilliardär bestimmt seit 35 Jahren Pakistans Politik. Seine Anhänger nennen ihn den "Löwen vom Punjab", seine Gegner verspotten ihn wegen seiner Vorliebe für gutes Essen und seine Verwicklungen in diverse Korruptionsskandale. Sharifs Partei, die "Pakistan Muslim League-Nawaz" (PML-N), muss nun bis zur Parlamentswahl 2018 einen interimistischen Regierungschef wählen. Es wird erwartet, dass Sharifs Bruder Shahbaz Sharif diese Rolle zufällt. Shahbaz Sharif ist Gouverneur der wichtigen Punjab-Provinz und gilt als erfahrener Politiker.

Die Sharif-Brüder besitzen zusammen das millionenschwere Stahl-Konglomerat Ittefaq. Beide prägen Pakistans Politik seit mehr als 30 Jahren und pflegen enge Beziehungen zu Saudi-Arabien. Die Golf-Monarchie unterstützt Pakistan seit Jahrzehnten mit ihren Öl-Milliarden und exportiert dabei auch ihre radikale Version des Islams über Religionslehrer sowie Madrassen, also Schulen, in denen islamische Wissenschaften unterrichtet werden.

Es ist anzunehmen, dass auch diesmal die Armee hinter dem Fall von Nawaz Sharif steht. Pakistans Militär hat das Land für fast die Hälfte seiner 70-jährigen Existenz geführt. Auch bei zivilen Regierungen spielt die mächtige Armeeführung eine wichtige Rolle im Hintergrund. Zwar hat Sharif die Armee in seinen vier Jahren als Premier nie offen angegriffen und in entscheidenden Momenten stets dem Armeechef den Vortritt gelassen. Dennoch hatte die Armeeführung offenbar wenig Interesse daran, dass Sharif volle fünf Jahre als Regierungschef ableistet.

Im Zuge der Enthüllungen der Panama-Papers waren 2016 Details über Offshore-Geschäfte der Sharif-Familie bekannt geworden. So soll sie etwa den Besitz von Immobilien im Ausland verschleiert haben. Das Oberste Gericht hatte sich des Falles überraschend angenommen, nachdem die Opposition mit Protesten gedroht hatte. Ursprünglich hatten die Obersten Richter den Fall mit der Begründung abgelehnt, dass er vor ein Strafgericht gehöre.