Washington D.C. Es war keine triumphale Heimkehr. Als US-Präsident Donald Trump zu Wochenbeginn das erste Mal seit Amtsantritt in seine alte Residenz in seiner Heimatstadt New York zurückkehrte, traute er sich nicht, in der Öffentlichkeit zu erscheinen. Denn abertausende New Yorker hatten ihren Protest angekündigt, und so bestanden die für den persönlichen Schutz Trumps zuständigen Sicherheitsleute darauf, den Präsidenten inkognito zuerst nach Manhattan und dann in den Trump Tower einzuschleusen.

Nicht umsonst, mussten sie doch nach den Ereignissen des vergangenen Wochenendes das Schlimmste befürchten. Viele Amerikaner sind entsetzt ob eines Präsidenten, der eine rassistisch motivierte Tat nicht sofort aufs Schärfste verurteilt hat. Da half es wenig, dass Trump am Ende doch noch halbwegs angemessene Worte für den Irrsinn fand, der sich in den Tagen zuvor in Charlottesville (Virginia) abgespielt hatte: "Rassismus ist böse. Hassgruppen haben keinen Platz in Amerika."

Zu wenig, zu spät - und aus diesen Gründen und noch mehr schlicht unglaubwürdig, wie nicht nur die breite Mehrheit der professionellen US-Politkommentatoren befand. Die Vorgeschichte: Am Freitag und Samstag war es im Rahmen einer Demonstration von Neonazis, Neofaschisten, Mitgliedern des Ku-Klux-Klan sowie zahlreichen weiteren rechtsradikalen Splittergruppen in Charlottesville zu Ausschreitungen gekommen. Einer von ihnen, der 20-jährige James Alex Fields jr., war mit seinem Auto in eine Gruppe Gegendemonstranten gerast und hatte dabei die Rechtsanwaltsgehilfin Heather Heyer getötet. Sie wurde 32 Jahre alt. Ein halbes Dutzend weiterer Menschen wurden teilweise schwer verletzt.

Den Behörden in seiner Heimatstadt in Ohio war Fields in der Vergangenheit unter anderem dadurch aufgefallen, dass er mehrmals seine an den Rollstuhl gefesselte Mutter geschlagen hatte. Seine Mittelschullehrer gaben an, dass Fields schon seit langem eine "besondere Faszination für Adolf Hitler und die Nazis hegte."

Organisiert worden war die Demonstration von der sogenannten "Alt-Right"-Bewegung (ein Kürzel für "Alternative Right"): eine moderne Bezeichnung für alles, was heute in den USA rechtsradikal ist, sich aus Marketing-Gründen aber nicht mehr so nennen mag. Ihre Anhänger gehören von jeher zu den treuesten Trump-Fans.

Hitler-Gruß und
"Heil Trump!"

Eine insofern logische Entwicklung, war es doch niemand Geringerer als Trumps Wahlkampfchef und jetziger Chefberater Steve Bannon, der einst die Website "Breitbart News" zur "offiziellen Plattform der Alt-Right" machte. Am Tag von Trumps Angelobung zeigte das wohl prominenteste Aushängeschild der Bewegung, der 39-jährige Richard Spencer, vor seinen Glaubensbrüdern in einem Hotel in Washington den Hitler-Gruß, dazu die Worte: "Heil unseren Leuten! Heil Trump!"

Spencer, der auch als einer der maßgeblichen Organisatoren der Demo von Charlottesville ("Unite the Right") fungierte, kündigte nun an, derlei Versammlungen an Universitäten im ganzen Land abzuhalten - "im Namen der Redefreiheit". Seitens der Rechtsradikalen fühle man sich vom Ergebnis von Charlottesville "bestärkt und ermutigt". So unglaublich es klingen mag, ist angesichts des Verhaltens des US-Präsidenten - der ja auch Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte ist - davon auszugehen, dass er diese Analyse in mancher Hinsicht teilt. Fast zeitgleich mit der Verurteilung der rechtsradikalen Umtriebe schickte Trump den Tweet eines Mannes namens Jack Posobiec an seine rund 36 Millionen Follower.

Die Legitimierung abstruser Gerüchte

Posobiec ist nicht nur ein persönlicher Freund Spencers. Im Wahlkampf war der Ex-Mitarbeiter der neofaschistischen, in Kanada beheimateten Propaganda-Website "The Rebel" zudem als einer führenden Promoter der "Pizzagate"-Verschwörungstheorie aufgefallen. Laut dieser hatten Hillary Clinton und ihre Mitarbeiter in einer Pizzeria in Washington einen Kinderpornoring betrieben. Bis heute glaubt ein Gutteil konservativer Amerikaner diese Geschichte - und nachdem ihr prominentester Verfechter diese Woche vom Präsidenten höchstselbst de facto legitimiert wurde, kann man es ihnen nur bis zu einem gewissen Grad übel nehmen.

Doch vielen Amerikanern wird nun zunehmend mulmig: Zahlreiche US-Bürger fordern jetzt mittels Online-Petitionen den Rücktritt von Stephen Bannon, seinem Adjutanten Stephen Miller und dem selbsternannten Terrorexperten Sebastian Gorkha. Alle drei gelten als Mitglieder der Fraktion der "weißen Nationalisten" im Weißen Haus. Angeblich hat sich sogar Medienmogul Rupert Murdoch für die Entfernung Bannons stark gemacht.

Wie realistisch es ist, dass Präsident Trump der Forderung nachkommt, steht freilich in den Sternen: Immerhin vertreten die drei eine offenbar zunehmend mächtige Fraktion in der republikanischen Parteibasis.