Gaza/Tel Aviv. Zehn Jahre nach der gewaltsamen Machtübernahme im Gazastreifen hat sich die Hamas bereit erklärt, die Verwaltung des blockierten Küstenstreifens am Mittelmeer abzugeben.

Palästinenserpräsident Abbas reagierte verhalten positiv

Die radikal-islamische Palästinenserorganisation teilte am Sonntag mit, sie lade die Regierung von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas im Westjordanland dazu ein, "in den Gazastreifen zu kommen und ihre Aufgaben sofort zu übernehmen". Die rivalisierende Fatah von Abbas reagierte vorsichtig auf das Versöhnungsangebot.

In der Stellungnahme akzeptierte die Hamas weitere Kernforderungen von Abbas für eine innerpalästinensische Versöhnung. Es wurde jedoch damit gerechnet, dass die Hamas die Kontrolle ihrer Sicherheitskräfte behält.

Palästinenserbehörde: Hamas-Angebot ist "historische Gelegenheit"

 Ein Sprecher der Palästinenserbehörde hat das Versöhnungsangebot der Hamas am Sonntag als "historische Gelegenheit für eine Wiedervereinigung" beschrieben. Yousef al-Mahmoud, Sprecher der Regierung von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, sprach auch von einem "Schritt in die richtige Richtung".

Die Regierung sei bereit, die Verwaltung im Gazastreifen zu übernehmen, warte aber noch auf Präzisierungen der Hamas, sagte Mahmoud der offiziellen palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA. Die Hamas hatte am Sonntag Kernforderungen der rivalisierenden Fatah für eine Versöhnung akzeptiert. Sie erklärte unter anderem die Auflösung ihres Verwaltungskomitees für den Gazastreifen und stimmte allgemeinen Wahlen zu.

"Großzügige Bemühungen Ägyptens"

Die Hamas erklärte sich bereit, ihr Verwaltungskomitee für den Gazastreifen aufzulösen. Außerdem stimme die Organisation allgemeinen Wahlen zu, hieß es in der Mitteilung. Der Schritt sei Ergebnis "großzügiger Bemühungen von Ägypten, eine palästinensische Versöhnung herbeizuführen".

Die Fatah, welche die von der Staatengemeinschaft als legitime Vertretung des palästinensischen Volkes anerkannte Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) dominiert, und die Hamas, die nicht in der PLO ist, Israel das Existenzrecht abspricht und 2006 die bisher letzten Wahlen gewonnen hatte, hatten sich jahrelang einen blutigen Bruderkrieg geliefert. Bisher scheiterten alle Versöhnungsversuche. Die Hamas hatte 2007 gewaltsam die alleinige Macht im Gazastreifen an sich gerissen und die Fatah vertrieben. Seitdem herrschte die Fatah nur im Westjordanland, die Hamas im Gazastreifen, wo etwa 1,9 Millionen Menschen auf engstem Raum leben.