Besonders betroffen sind Länder wie Spanien. Worauf müssen sich die heißeren Regionen Europas einstellen?

Wüstenbildung gehört zu jenen Phänomenen des Klimawandels, die man spüren und sehen kann. Die Menschen werden mit weniger Wasser auskommen und schwierige Entscheidungen in der Landwirtschaft treffen müssen. Zudem gibt es da unten viel Tourismus. Man wird den Wasserverbrauch drastisch einschränken müssen. Es muss ein Gleichgewicht zwischen Landwirtschaft, Industrie und Konsum gefunden werden. Touristen kommen im Sommer, sie verbrauchen sehr viel Wasser. Das kann dazu führen, dass nicht genug für die Landwirtschaft da ist, die am meisten Wasser nötig hat.

Menschen auf der Flucht vor dem Klimawandel haben laut Genfer Konvention kein Recht auf Asyl. Wie sollen wir damit künftig umgehen?

Die Flüchtlingskonvention schützt politisch Verfolgte. Ich denke nicht, dass wir diese Definition erweitern sollten, sehr wohl aber müssen wir uns mit der Realität auseinandersetzen. Weltweit wird es mehr Regionen geben, in denen man nicht mehr leben kann. Die Migranten brauchen Möglichkeiten, vor allem innerhalb ihrer Heimatländer. Wir müssen verstehen, dass Klimawandel als Ursache für Flucht genauso bedrohlich ist wie politische Verfolgung. Die Menschen haben keine Ressourcen mehr, kein Wasser, kein Land, keine Nahrung. Was sollen sie tun? Sie werden migrieren. Migration war immer schon eine Bewältigungsstrategie. Der Unterschied zu heute ist, dass es sich früher oft um zeitlich begrenzte Migration handelte. Es ist wichtig, bei den Gemeinden anzusetzen und sie so widerstandsfähig wie möglich zu machen. Die Schlepper sind nicht die Ursache für Migration. Die Grundursache ist, keine Möglichkeiten zu haben, keine Existenzgrundlage, seine Familie nicht ernähren zu können. Da würde jeder fliehen. Hilft man Gemeinden dabei, ihre Ressourcen auch mit dem Klimawandel nutzen zu können, dann wird die Mehrheit zu Hause bleiben. Migration ist nie eine leichte Entscheidung.

Zur Person

Louise Baker

ist selbst Migrantin. Aus einer Kleinstadt in den englischen Midlands ging sie zunächst zum Studieren in die USA. Später lebte die Politikwissenschafterin in Belgien, Osteuropa, Indien, in der Schweiz und in Indonesien. Seit 2011 arbeitet sie für das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung UNCCD in Bonn.