Trumps Vize Mike Pence (l.) unterstützt den Republikaner Ed Gillespie. - © afp/Getty Images/ Sara D. Davis
Trumps Vize Mike Pence (l.) unterstützt den Republikaner Ed Gillespie. - © afp/Getty Images/ Sara D. Davis

Richmond. Die Botschaft fällt dramatisch aus, den Zeiten entsprechend: Nicht weniger als "die Demokratie an sich" stehe auf dem Spiel; angesichts dessen, was sich im nahen Washington D.C. abspiele, bilden die Menschen von Virginia "die erste Verteidigungslinie" - und müssen sich dementsprechend fragen, was sie wollen, von ihrem Land, von ihrem Bundesstaat.

Die Entscheidung, die sie am heutigen Dienstag, den 7.November, treffen müssen, lasse keine Grauzonen zu: Entweder sich dem neuen Autoritarismus ergeben oder ihm in den Arm fallen, bevor er wirklich greift.

Es ist ein Jahr her, seit Donald Trump - am 8. November 2016 - zum neuen Präsidenten der USA gewählt wurde.

Und es ist nun das erste Mal seit dessen Abschied aus dem Weißen Haus, dass Ex-Präsident Barack Obama den Wahlkämpfer gibt. In den vergangenen paar Wochen wirkte es freilich auf seltsame Weise, als hätte Obama die politische Bühne der USA nie verlassen. Mangels populärer Alternativen ist es niemand Geringerer als der Ex-Präsident, der jetzt angesichts der ersten wirklich großen Testwahl der Trump-Ära für seine Partei die Kohlen aus dem Feuer holen soll. Und diesen Dienstag wählen die Einwohner von Virginia sowohl einen neuen Gouverneur als auch ein neues Bundesstaatsparlament. Der Kandidat der Demokraten, der Kandidat, der von Obama unterstützt wird, heißt Ralph Northam, ein Doktor der Medizin, ehemaliger Berufssoldat und Karrierepolitiker. Sein aktueller Job ist der des regierenden Vizegouverneurs. Das Ziel des 58-Jährigen besteht darin, seinen bisherigen Vorgesetzten Terry McAuliffe zu beerben. Der Demokrat McAuliffe - ein langjähriger Freund der Clinton-Familie - darf nicht mehr antreten. Eine Eigenheit des Commonwealth of Virginia, der seinen Vorstehern eine maximale Amtszeit von vier Jahren gewährt.

Der Außenseiter aus dem Kreise der Bush-Familie

Barack Obama (l.) ist als Ex-Präsident erstmals als Wahlhelfer unterwegs: Er zeigt auf den Demokraten Ralph Northam (r.). - © reuters/Ernst
Barack Obama (l.) ist als Ex-Präsident erstmals als Wahlhelfer unterwegs: Er zeigt auf den Demokraten Ralph Northam (r.). - © reuters/Ernst

Der Kandidat der Republikaner heißt Ed Gillespie und stellt, seinem Gegner nicht ganz unähnlich, so etwas wie das fleischgewordene alte Establishment seiner Partei dar. Der 56-Jährige arbeitete jahrzehntelang in allerlei führenden Funktionen für den Bush-Clan. Prominent in der Öffentlichkeit stand Gillespie zuletzt als nur knapp gescheiterter Kandidat bei den Senatswahlen 2016.

Nicht nur insofern mutet es seltsam an, wie der Mann diesmal seinen Wahlkampf anlegt. Seine Kampagne porträtiert Gillespie als Außenseiter, der - im Verbund mit Trump - der von angeblich faulen Kompromissen geprägten politischen Kultur sowohl Virginias Hauptstadt Richmond als auch in Washington den Garaus machen will.