Ralph Northam wird neuer Gouverneur von Virginia. - © ap/Owen
Ralph Northam wird neuer Gouverneur von Virginia. - © ap/Owen

Washington. (da) "Ich habe nicht mit diesem Tritt in den Hintern gerechnet." Der demokratische Senator Chris Murphy konnte das Glück kaum fassen, das seine Partei in der Nacht auf Mittwoch widerfahren ist. Denn das Gesäß stand für die Republikaner. Nach einem Jahr Präsidentschaft von Donald Trump - der ultimativen Demütigung nach Barack Obamas Amtszeit - und Niederlagen bei Nachwahlen im Juni jubeln die Demokraten wieder einmal.

Dafür sorgte vor allem Ralph Northam. Denn der 58-Jährige setzte sich im Rennen um den Gouverneursposten in Virginia gegen Ed Gillespie durch. Zum angekündigten Kopf-an-Kopf-Rennen kam es nicht, Northam lag neun Prozentpunkte vor dem Republikaner. Zwar trat Gillespie nicht gemeinsam mit Trump auf, führte aber einen Wahlkampf im Stile des Präsidenten - ausländerfeindliche Untertöne inklusive. Auch sprach er sich dagegen aus, umstrittene Konföderierten-Denkmäler zu entfernen. Im Sommer protestierte ein rechtsradikaler Mob ebenfalls dagegen; Trump empörte damals, indem er diese Personen mit den Gegendemonstranten gleichsetzte. Northam brachte im Wahlkampf seinen Konkurrenten mit jenen Rassisten in Verbindung.

Auf die Niederlage folgte prompt das obligatorische Abwatschen per Twitter: "Ed Gillespie hat hart gearbeitet, aber er hat nicht mich dargestellt oder wofür ich stehe", schrieb Trump. Ganz anders Northams Botschaft: "Wir haben bewiesen, dass wir stärker sind, wenn wir einander wertschätzen und für einander kämpfen." Die Demokraten verbuchen ihren Sieg aber nicht nur als Votum gegen den Präsidenten. In Virginia gelang ihnen ein Erfolg in einem "Swing State" mit wechselnden Mehrheiten. Der Bundesstaat liegt südlich der Hauptstadt Washington, DC. Von 2010 bis 2014 regierte mit Bob McDonnell ein republikanischer Gouverneur, bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr siegte wiederum Hillary Clinton.

In Virginia konnten die Demokraten zudem einen symbolisch wichtigen Sieg verbuchen. Mit Danica Roem zieht erstmals eine offen transsexuelle Person in das lokale Abgeordnetenhaus. Die frühere Journalistin stellte in ihrem Wahlkampf nicht ihre sexuelle Identität in den Mittelpunkt, sondern setzte auf die klassischen Regionalthemen Bildung, Arbeit und Schulen. Damit besiegte sie Robert Marshall, der mehr als ein Vierteljahrhundert Abgeordneter war und selbst ernannter "Oberster Schwulenhasser" des Bundesstaates ist.

Weitere Erfolge feierten die Demokraten in ihren Bastionen New York und New Jersey. In der Metropole wurde der seit 2014 amtierende Bürgermeister Bill de Blasio wiedergewählt. Er erreichte rund zwei Drittel der Stimmen, in Manhattan, Brooklyn und der Bronx waren es sogar mehr als 70 Prozent. Der 56-Jährige verfügt zwar nicht über das Charisma seines Vorgängers Michael Bloomberg. Auch leidet die Stadt weiterhin unter dem chronischen Mangel an leistbaren Wohnungen. Dennoch sagte de Blasio selbstbewusst, New York - Heimatstadt des Präsidenten - habe "eine Botschaft an das Weiße Haus" ausgesandt.

Phil Murphy führte die Demokraten zum Sieg in New Jersey. Er war 23 Jahre bei der Investmentbank Goldman Sachs tätig und während Barack Obamas Präsidentschaft US-Botschafter in Deutschland, von 2009 bis 2013. Murphy wird nachgesagt, nach dem Gouverneursposten noch höhere Ämter anzustreben, bis hin zur Präsidentschaft. Seinen nunmehrigen Sieg verdankt er auch der Unzufriedenheit der Bürger mit dem republikanischen Langzeitgouverneur Chris Christie. Der hatte sich einst im Präsidentschaftswahlkampf frühzeitig auf Trumps Seite geschlagen.

Richtungsstreit bei den Demokraten nicht entschieden


"Wir haben Besseres verdient als das", sagte New Jerseys neuer Gouverneur Phil Murphy gemünzt auf den Präsidenten. Mit den Siegen in New York, New Jersey und Virginia wollen die Demokraten die Trendwende einläuten. Im kommenden Jahr steht die "Midterm Election" an, sämtliche 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses sowie ein Drittel des Senats werden dann neu gewählt. Derzeit halten die Republikaner in beiden Kammern die Mehrheit. Dennoch kann Trump Versprechen wie die Mauer zu Mexiko und das Kippen der Gesundheitsreform nicht umsetzen, die "Grand Old Party" ist zerstritten. Sollten die Demokraten die Kräfteverhältnisse umkehren, wäre der Mann im Weißen Haus isoliert. Wie die Demokraten dieses Ziel erreichen, bleibt intern umstritten: ob mit prononciertem Linkskurs oder Fokus auf die Mitte.