Manila. (rs) Der Gast aus den USA war ganz offensichtlich zufrieden. "Wunderbares Talent", schwärmte Donald Trump im Anschluss an die halbstündige Show. "Musik. Tanz. Großartig." Tatsächlich war es außergewöhnlich, was dem US-Präsidenten und den anderen Staats- und Regierungschefs zum Auftakt des Asean-Gipfels im Messezentrum von Manila geboten worden war. Denn statt der sonst bis diesen Anlässen üblichen langen Reden hatte der philippinische Präsident Rodrigo Duterte ein farbenfrohes Musical mit Ballett, Streichorchester und Kinderchor auf das Programm gesetzt. Ähnlich faserschmeichelnd hatte sich der Gastgeber bereits am Abend zuvor beim opulenten Galadinner gezeigt. Dort hatte Duterte sogar eigens das philippinische Liebeslied "Ikaw" ("Du") für den "Oberkommandierenden der Vereinigten Staaten" gesungen.

Von einer derart zuckersüßen Seite hat sich Duterte in der Vergangenheit allerdings kaum gezeigt. Viel lieber gibt der 72-Jährige den kompromisslosen Hardliner, der eine beinharte Law-and-Order-Politik verfolgt. Schlagzeilen macht Duterte dabei vor alllem mit seinem brutalen Feldzug gegen die Drogenkriminalität. So sind seit seinem Amtsantritt im Juni 2016 schon knapp 4000 Menschen von der Polizei getötet worden. Hunderte weitere Tote dürften zudem auf das Konto von ominösen Killerkommandos oder selbst ernannten und von Duterte ermutigten Ordnungshütern gehen. Laut Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International handelt es sich dabei aber nicht nur um Drogendealer, die im Zuge von bewaffneten Auseinandersetzungen erschossen werden. Auch hunderte Drogenkonsumenten sollen den "außergerichtlichen Tötungen" zum Opfer gefallen sind.

Der Popularität Dutertes, der sich selbst immer wieder mit Gewalttaten bis hin zum Mord gebrüstet hat, tut das alles allerdings keinen Abbruch. Denn der ehemalige Bürgermeister der Provinzstadt Davao kann sich nicht nur über allgemeinen Zustimmungsraten von fast 80 Prozent freuen, laut einer aktuellen Umfrage unterstützen auch neun von zehn Philippinern den Kurs ihres Präsidenten im Kampf gegen die Drogenkriminalität. Dass dabei in vielen Fällen alle rechtsstaatlichen Grenzen überschritten werden, wird kaum als Problem gesehen. So geben etwa drei Viertel der vom Meinungsforschungsinstitut Pulse Asia Befragten an, dass sie davon ausgehen, dass es außergerichtliche Tötungen gibt.

Auch dass Duterte selbst im höchsten Staatsamt noch zu massiven verbalen Ausfällen neigt, wird dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Politiker kaum übel genommen. Gezeigt hatte sich das erst von wenigen Tagen am Fall der UNO-Sonderberichterstatterin Agnes Callamard. Ihr hatte der Präsident, der früher schon einmal Papst Franziskus und Trumps Vorgänger Barack Obama als "Hurensöhne" beschimpfte, "Schläge vor aller Augen" angedroht, was international für einen Aufschrei gesorgt hat. Bei Dutertes Landsleuten hielt sich die Empörung dagegen in Grenzen.

Aus Sicht vieler Experten trägt Dutertes rüde Art sogar maßgeblich zu seinem Erfolg bei. "Seine Volksnähe und die Aura der Aufrichtigkeit, die er ausstrahlt, kommen bei vielen Philippinern gut an" meint etwa Babe Romualdez, politischer Kommentator der Zeitung "Philippine Star". Zudem mache Dutertes "Sinn für Authentizität" ihn weniger verletzlich für politische Attacken, Kritik und Zweifel.

Hinzu kommt dass der 72-Jährige, dessen Wahl für einen radikalen Bruch mit der bisherigen politischen Elite stand, viele Probleme angegangen ist, die jahrelang ignoriert wurden. Großes Lob bekam er unter anderem dafür, dass er Oligarchen und örtliche politische Machthaber in Schach hält. Diese hieven sich für gewöhnlich selbst in Machtpositionen, sobald eine neue Regierung das Ruder übernimmt. Duterte habe außerdem eine gute Wahl getroffen, als er linke oder fortschrittsfreundliche Beamte in Behörden einsetzte, die sich um Arme kümmern, findet der Politikwissenschaftler Antonio La Vina. Zudem erfülle seine Regierung Versprechen wie kostenlose Bildung und ein besseres Gesundheitssystem. "Es ist ein völlig anderes Land als noch vor einem Jahr", sagt La Vina.