Bonn. (rs) Begonnen hat der letzte Tag in Bonn mit einer eindringlichen Warnung des kleinen Pazifikstaates, der diesmal die Präsidentschaft bei der Weltklimakonferenz innegehabt hatte. "Drei Ortschaften haben wir schon in höhere Gebiete umgesiedelt", sagte Aiyaz Sayed-Khaiyaum, Justiz- und Wirtschaftsminister der Fidschi-Inseln. "Und für 40 weitere Dörfer gibt es bereits dementsprechende Pläne."

Dass es höchste Zeit zu handeln ist, illustriert aber nicht nur das Beispiel des Fidschis, wo man infolge des gestiegenen Meeresspiegels schon jetzt mit verheerenden Sturmfluten und versalzenden Ackerböden zu kämpfen hat. Auch die bereits zu Beginn der Klimakonferenz vom UN-Umweltprogramm Unep präsentierten Daten zeigen, dass die Anstrengungen bisher nicht ausreichen, um das bei der historischen Klimakonferenz in Paris vereinbarte Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Denn selbst wenn alle Länder ihre dort gemachten Klimaschutzzusagen einhalten, wird sich die Erdtemperatur laut Unep-Prognose um mindestens drei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit erhöhen. Die Folgen des Klimawandels wären dann nach Ansicht der meisten Wissenschafter für die Menschheit kaum noch beherrschbar.

Allerdings gibt es durchaus einen Hoffnungsschimmer für den Planeten. Denn die großen Klimakonferenzen wie Bonn, wo der erste Teil eines Regelhandbuchs für die praktische Umsetzung des Pariser Abkommens erarbeitet wurde, standen in der Vergangenheit zwar stark im medialen Fokus. Gerettet wird das Weltklima aber womöglich an den Seitenlinien werden. Während viele Staaten sich in den vergangenen Jahren nur zögerlich und oft auch halbherzig zu Klimaschutzmaßnahmen durchgerungen haben, hat sich in anderen Bereichen die Schlagzahl nämlich massiv erhöht. So werden erneuerbare Energien und andere klimafreundlichere Technologien von Jahr zu Jahr effizienter und damit auch auf dem Markt konkurrenzfähiger. Zugleich setzen sich weltweit immer mehr Unternehmen eigenverantwortlich strenge Klimaschutzziele. Auch die Konsumenten entscheiden mit dem Kauf einer Fotovoltaikanlage oder eines Elektroautos zunehmend nach ökologischen Kriterien.

Welchen Effekt diese Entwicklungen haben, hat sich in den vergangenen Jahren in den USA gezeigt. Denn aufgrund des erbitterten Widerstands der Republikaner sind viele Klimaschutzmaßnahmen dort nicht umgesetzt worden. Dennoch ist der Treibhausgasausstoß in den Vereinigten Staaten seit dem Jahr 2005 um 11,5 Prozent zurückgegangen. Verantwortlich dafür ist neben dem Umstieg von der Kohle auf das deutlich emissionsärmere Erdgas infolge des Fracking-Booms vor allem das Umdenken in der Privatwirtschaft und bei den Endverbrauchern.