Kathmandu/Wien. (klh) Im nepalesischen Bezirk Rasuwa kam kürzlich der öffentliche Verkehr fast zum Erliegen. Denn Spitzenpolitiker haben in der abgelegenen Bergregion fast sämtliche Busse gemietet, um ihre Anhänger zu den Wählerregistrierungszentren zu transportieren.

Die Geschichte, von der die "Nepal Times" berichtet hat, illustriert, was für ein kostspieliges Geschäft Politik in Nepal ist. Das 29-Millionen-Einwohner-Land wählt in den nächsten Wochen ein neues Parlament. In der ersten von zwei Wahlrunden geht zunächst der Norden des Himalaya-Staates an die Urnen. Am 7. Dezember folgen die Wähler im Süden, inklusive der Hauptstadt Kathmandu. Vergeben werden sowohl die 275 Sitze in der Nationalversammlung als auch die Mandate in den Regionalparlamenten. Chancen hat nur, wer über genügend Geld verfügt. Wahlveranstaltungen müssen organisiert und Kampagnenhelfer bei Laune gehalten werden. Medien berichten zudem davon, dass Stimmen auch gekauft werden.

Das hat zu engen Verflechtungen zwischen Politik und Geschäftswelt geführt. Wer die richtige Seite unterstützt, kann nach der Wahl mit satten Gewinnen rechnen.

Wegen dieser Klientelpolitik sind ideologische Zuschreibungen mit Vorsicht zu genießen. Jedenfalls stehen sich zwei große Lager gegenüber: Auf der einen Seite steht die Kongresspartei von Ministerpräsident Sher Bahadur Deuba. Auf der anderen Seite haben sich die Maoisten und die Vereinigte Marxistisch-Leninistische Partei, die lange zerstritten waren, zu einem schlagkräftigen Wahlbündnis vereint, das als Favorit bei der Wahl gilt.

Wie die Wahl auch ausgeht, viele Nepalesen wünschen sich vor allem eines: Stabilität. Das zwischen Indien und China gelegene Land hat zwei äußerst turbulente Jahrzehnte hinter sich: Die Monarchie wurde abgeschafft, der bewaffnete Aufstand der Maoisten - die sich nach einem Friedensvertrag mittlerweile in eine politische Partei verwandelt haben - forderte rund 16.000 Todesopfer, ständig stürzten Regierungen, wechselten die Premiers. Zu dem politischen Chaos kam dann noch das verheerende Erdbeben dazu, das 2015 mehr als 8000 Menschen das Leben kostete.

Nach jahrelangem Ringen hat das Land nun aber zumindest eine neue Verfassung ausgearbeitet. Nepal wurde in sieben Bundesstaaten unterteilt und wird künftig föderaler regiert, wodurch Minderheiten in dem großteils hinduistischen Staat mehr Mitsprache erhalten sollen.

Auf dieser Grundlage soll nun eine Regierung gebildet werden, die eine gesamte Legislaturperiode von fünf Jahren durchhält und so einen langfristigen wirtschaftlichen Aufbau in dem armen Land in Angriff nehmen kann. Vieles wird davon abhängen, ob der Wahlsieger auch nach dem Votum eine Einheit bleibt - oder, wie es immer wieder in Nepal passiert ist, sich zerstreitet und dadurch zerbröselt.