Naypyidaw/Rom/Wien. Zuerst begrüßten ihn Kinder am Flughafen mit Blumensträußen. Dann, bei der Fahrt in Myanmars größte Stadt Rangun, winkten am Straßenrand tausende Menschen Papst Franziskus zu, manche von ihnen hatten sogar Tränen in den Augen. "Es ist ein Jahrhundertereignis", sagte Win Min Set, der die Anreise von 1800 Katholiken aus dem Westen und Süden des Landes organisiert hatte, der Nachrichtenagentur Reuters.

Doch der Empfang war wohl noch die einfachste Übung für Franziskus. Denn mit seinem Besuch in Myanmar und Bangladesch, der am Montag begann und bis zum Wochenende dauert, begibt sich der Papst auf äußerst heikles Terrain. Es soll Diplomaten im Vatikan geben, die ihm von dieser Reise abgeraten haben.

Es geht nämlich bei diesem Papst-Besuch nicht nur um die Stärkung der Katholiken, die in beiden Ländern eine kleine Minderheit sind - im vorwiegend buddhistischen Myanmar stellen sie ein Prozent, im großteils moslemischen Bangladesch nicht einmal 0,3 Prozent der Bevölkerung. Der Papst ist hier auch mitten in einem gewaltsamen Konflikt gelandet.

Massenflucht der Entrechteten

Mehr als 600.000 Rohingya, die dem moslemischen Glauben angehören, sind in den vergangenen Monaten in das benachbarte Bangladesch geflohen und leben dort in improvisierten Flüchtlingslagern, in denen es am Nötigsten fehlt. Der Konflikt um die Minderheit schwelt schon seit Jahren und hat zuletzt enorm an Brutalität zugenommen. Obwohl viele Rohingya seit Generationen in Myanmar leben, erhalten sie keine Bürgerrechte. Sie sind staaten- und somit auch rechtlos und zudem mit einer von nationalistischen buddhistischen Mönchen angeheizten anti-moslemischen Stimmung konfrontiert.

Aufseiten der Rohingya hat sich mittlerweile mit der Arakan Rohingya Salvation Army eine bewaffnete Aufstandsarmee gebildet. Diese hat im August einen Polizeiposten angegriffen und dabei dutzende Sicherheitskräfte getötet. Seitdem unternimmt das Militär eine Gegenoffensive gegen die Aufständischen. Dabei kommt es aber offenbar zu zahlreichen Übergriffen auf Zivilisten. Geflohene Rohingya berichten von willkürlichen Morden und Brandschatzungen. Die UNO, die US-Regierung und Menschenrechtsorganisationen sprechen von "ethnischen Säuberungen".

Nun wird mit Spannung darauf gewartet, wie sich der Papst dieser Thematik annehmen wird. Charles Bo, der erste und von Franziskus vor zwei Jahren ernannte Kardinal von Myanmar, hat Franziskus gebeten, besonders vorsichtig mit seiner Wortwahl zu sein. Allein der Begriff "Rohingya" ist politisch besetzt. Wer "Rohingya" sagt, der fordert aus Sicht der immer noch bestimmenden Militärs im Land implizit Rechte für diese Minderheit. Das würden die Generäle nicht gerne hören.