Die Frage, ob China die Nachfolge Europas in Afrika antrete, verneint Gao Honggang. "Wir haben einen anderen Zugang als die Europäer." So exportierten die Franzosen ihre Kultur nach Madagaskar; die Sprache, die Religion. Nicht so die Chinesen, sagt Honggang: "Wir bringen Wissen und Technologie." Aber, wie Frenchs Recherchen zeigen, ist oft das Gegenteil der Fall. Chinesen bringen ihre eigenen Fachkräfte ins Land, Afrikaner werden als Hilfsarbeiter angestellt. Der angesprochene Technologie-Transfer sei eingeschränkt oder nicht vorhanden, schreibt French. Das Entstehen einer eigenständigen Industrie werde so für viele Länder unmöglich.

Das wirtschaftliche Ungleichgewicht führt nicht selten zu Spannungen. Die grassierende Korruption auf Madagaskar ermöglicht auch illegale Geschäfte aller Art. So ist das Abholzen von Rosenholz seit 2006 unter Strafe gestellt, seit 2010 ist auch der Export des Holzes verboten. Dennoch wird es weiter in Nationalparks geschlagen. China ist einer der weltweit größten Importeure von Rosenholz, das im Land zu Luxusmöbeln verarbeitet wird.

Neue Straßen braucht das Land

Chinesische Händler sind am Geschäft beteiligt. Honggang möchte diese Probleme nicht kleinreden. Staatliche Firmen und die meisten Privatiers würden sich nichts zuschulden kommen lassen, ist er überzeugt. "Aber es gibt auch andere", sagt er. "Unternehmer, die nicht sensibel gegenüber der madagassischen Kultur sind und die Gesetze brechen."

Jean Max Rakotomamonjy sieht das pragmatisch. "Madagaskar braucht Straßen, Brücken und erneuerbare Energie." Und da der chronisch unterfinanzierte Staat das nicht bezahlen kann, muss das jemand anderes tun. Der Politiker und Präsident der Nationalversammlung ist ebenso Mitglied der Gesellschaft für Chinesisch-Madagassische Beziehungen. Im grauen Anzug empfängt er in einem Konferenzraum des Parlaments in Antananarivo.

Ob China heute der wichtigere Partner als Europa sei, darauf will der Politiker sich nicht eindeutig festlegen. "Früher haben wir mit dem Westen zusammengearbeitet. Jetzt machen wir viele Geschäfte mit den Chinesen." Sie errichten Fabriken, schaffen Arbeitsplätze und seien offen für die Pläne der Regierung, das Land zu entwickeln. Etwas Kritik kommt dann aber doch: "Was uns sorgt, sind die Rechte der Arbeiter und der Umweltschutz." Diese seien in der madagassischen Verfassung verankert und müssen von allen auf der Insel eingehalten werden, so Rakotomamonjy.

China ist seit 2009 der größte Investor in Afrika, gefolgt von den USA und den ehemaligen Kolonialmächten Frankreich und England. China baut Fabriken, neue Hospitäler, Fußballstadien. Und es baut Straßen, Eisenbahnlinien, Brücken und Häfen - notwendige Infrastruktur, um Rohstoffe aus dem Kontinent zu schaffen und die Nachfrage nach Chinas Exportgütern zu bedienen. Mit seinen Auswanderern verfüge China nicht nur über ein Handelsnetzwerk, sondern könne auch den politischen Einfluss ausweiten, schreibt French. Menschen wie Gao Honggang, mit guten Kontakten in die madagassische Politik, sind wichtige Partner für chinesische Handelstreibende.

Honggang sagt, Chinas Aktivitäten habe mit westlichem Imperialismus nichts zu tun. Imperialismus habe viele Gesichter, resümiert French im Nachwort seines Buches. Ob Afrikas neue Partner dem Kontinent langfristig Wohlstand bringen oder ob die Länder in einer wirtschaftlichen und technologischen Abhängigkeit verharren, wird sich zeigen. Mit Wirtschaftspolitik alleine wird sich eine positive Gestaltung der Globalisierung nicht realisieren lassen. Auch Europa ist gefordert, seinen Teil beizutragen.