Sein Rezept damals: Humor. Denn Extremisten, die über sich selber lachen, seien ein Ding der Unmöglichkeit. Dass Trump mutwillig einen Nahost-Flächenbrand provoziert, dürfte auch Oz das Lachen schwer machen. Trotzdem kommen die Lösungsansätze des Autors für viele einer Befreiung gleich, sie klingen so ganz anders als das, was man Jahr und Tag aus dem offiziellen Israel zu hören bekommt: "Wenn die Menschen in Ramallah und Nablus im Westjordanland in Wohlstand und Freiheit leben, werden die Menschen in Gaza früher oder später das mit der Hamas machen, was die Bevölkerung Rumäniens mit Ceausescu gemacht hat", so eine typische Oz-Schlussfolgerung. Mit seinen Ansichten macht er sich nicht nur Freunde im eigenen Land, etwa wenn er radikale israelische Siedler "hebräische Neonazi-Gruppen" nennt.

Schüsse auf den Frieden

Der Autor wirkt wie ein Relikt längst vergangener Zeiten, dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass israelische Politiker mit Nachdruck an einer friedlichen Lösung arbeiteten und auch an ein Gelingen glaubten. Schimon Peres etwa, der 1994 zusammen mit Jassir Arafat und Jitzhak Rabin den Nobelpreis für seine Verdienste im Oslo-Friedensprozess bekommen hat. Er war bis zu seinem Tod im Vorjahr davon überzeugt, dass die Probleme mit den Palästinensern nur politisch und durch beiderseitiges Entgegenkommen gelöst werden könnten.

Dass erfolgreiche Schritte in Richtung Friedenslösung unternommen werden können, ist heute nicht einmal theoretisch vorstellbar. Die Zeiten, als US-Präsident Bill Clinton die Schirmherrschaft über Friedensgespräche zwischen der PLO und Israel innehatte, als das Oslo-Abkommen geschlossen wurde, sind weit weg. Aber immerhin: Der damals beschlossene Abzug der israelischen Armee aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen und die Palästinenser-Selbstverwaltung sind bis heute in Kraft.

Nach den Worten Jitzhak Rabins sollten mit dem Oslo-Abkommen "einhundert Jahre Blutvergießen für alle Zeiten beendet" werden. In seiner Rede bei der Unterzeichnung des Abkommens war von einem "Traum" die Rede. "Wir alle lieben dieselben Kinder, weinen dieselben Tränen, hassen dieselbe Feindschaft", meinte Rabin 1994. Im Folgejahr fand in Tel Aviv eine große Friedenskundgebung statt. Deren Motto war "Ja zu Frieden, Nein zur Gewalt". Ein rechtsextremer Israeli erschoss Rabin bei der Kundgebung. "Der Weg des Friedens ist dem Weg des Krieges vorzuziehen", hatte der Premier kurz vor den tödlichen Schüssen gesagt.

Dann geriet der Friedensprozess ins Stocken. Dass Premier Benjamin Netanjahu oder US-Präsident Trump bei einer Friedenskundgebung auftreten könnten, ist traurigerweise eine groteske Vorstellung. Netanjahu verfolgt die Politik des Einigelns und der kollektiven Feindabwehr. Für ihn sind Palästinenser wieder der große Feind von innen, der letztendlich zur Vernichtung Israels angetreten ist. Genauso wie der Iran, der große Feind von außen, der Israel mit Atomwaffen vernichten will. "Die Lehre aus dem Holocaust lautet: Wenn jemand ankündigt, dich vernichten zu wollen, glaub ihm", lautet Netanjahus Credo. Doch mit dieser Angst im Nacken ist eine Friedenslösung mit den Palästinensern nicht machbar.

Die Zeiten des großen Optimismus, als die Reggea-Band Alpha Blondy & The Wailers das Album "Jerusalem" aufnahm - die Texte wurden auf Hebräisch, Arabisch, Englisch und Französisch gesungen -, sind vorbei. Als sich im Jänner 2017 70 Länder und internationale Organisationen in Paris zu einer Nahost-Friedenskonferenz trafen, nannte Netanjahu die Veranstaltung "nutzlos". Das seien "letzte Zuckungen der Welt von gestern". Israel werde ein "internationales Diktat von Friedensbedingungen" niemals akzeptieren. Ein Gespräch mit Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas lehnte Netanjahu ab, der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sprach wörtlich von einem "Tribunal gegen den Staat Israel". Die Gewaltspirale in Nahost dreht sich daraufhin weiter.