Kommentatoren und Analysten in Nepal nennen noch weitere Gründe für den Sieg des Linksbündnisses: Dessen Parteien waren im Wahlkampf besser organisiert und konnten so stärker mobilisieren. Auch, dass der Linksblock als Favorit bei dem Votum galt, hat ihm offenbar Stimmen eingebracht. Viele Wähler entschieden sich für den voraussichtlichen Sieger, damit dieser eine ausreichende Mehrheit erhält.

Denn die Sehnsucht nach Stabilität ist groß. Nepal hat zwei turbulente Jahrzehnte hinter sich: Die Monarchie wurde abgeschafft, der bewaffnete Aufstand der Maoisten - die sich nach einem Friedensvertrag mittlerweile in eine politische Partei verwandelt haben - forderte rund 16.000 Todesopfer, ständig stürzten Regierungen, wechselten die Premiers. Hinzu kam noch das verheerende Erdbeben, das 2015 mehr als 8000 Menschenleben kostete.

Die Nepalesen hoffen, dass sich nun endlich eine Regierung mehrere Jahre im Amt halten und so die drängendsten Herausforderungen angehen kann. Dazu zählen der wirtschaftliche Aufbau dieses sehr armen Landes, die Bekämpfung der Korruption sowie ein Ausgleich zwischen den Gebirgsregionen und dem Tiefland.

Den Rahmen dafür soll die neue Verfassung geben, die in mühseliger, jahrelanger Kleinarbeit entstanden ist. Regierungen können nun nicht mehr so leicht, etwa durch Misstrauensanträge, gestürzt werden. Zudem wurden Provinzparlamente geschaffen. Nepal wird künftig föderaler regiert, was wiederum für einen größeren Ausgleich sowohl zwischen den Regionen als auch den einzelnen ethnischen Gruppen in dem Vielvölkerstaat sorgen soll.

Grund zur Skepsis


Trotzdem gibt es Gründe, skeptisch zu sein, ob es mit Nepal nun bergauf geht. Denn die größten politischen Parteien werden noch immer von derselben Elite dominiert. Die wichtigsten Positionen besetzen hauptsächlich Hindu-Männer, die einer hohen Kaste entstammen. Diese betreiben oft Klientelpolitik - weshalb auch ideologische Zuschreibungen in Nepal relativ sind. Und es sind dieselben Politiker, die in den vergangenen Jahren für Chaos gesorgt haben.

Auch die Linke hat schon oftmals Allianzen geschmiedet - die immer wieder aufgrund von Intrigen und persönlichen Streitigkeiten zerbrochen sind. Das war auch der Fall, als Oli seine erste Chance als Premier erhielt. Er schaffte es damals nicht, die verschiedenen Interessensgruppen in seiner Regierung unter einen Hut zu bringen. Das war einer der Gründe, warum damals die Hilfe für die Erdbebenopfer nur äußerst schleppend vorankam. Nun erhält Oli eine zweite Chance. Versprochen hat er das, wonach sich seine Landsleute am meisten sehnen: mehr Wohlstand und mehr Stabilität.