Washington/El Salvador. Der 2. März 2001 war ein Freitag. Der damalige US-Präsident, der Republikaner George W. Bush, kündigte an, dass die tausenden Salvadorianer, die vor der Verwüstung in der Heimat geflohen waren, für die nächsten 18 Monate in den USA bleiben dürfen.

Vorausgegangen waren zwei schreckliche Erdbeben, die das kleine mittelamerikanische Land erschütterten. Am 13. Jänner und am 13. Februar bebte die Erde so gewaltig, mit einer Stärke von 7,6 und 6,6 auf der Richterskala, dass die herabstürzenden Trümmer mehr als 1140 Menschen töteten. Weitere 1,3 Millionen Menschen wurden verletzt oder obdachlos - Salvadors Bevölkerung zählt nur knapp mehr als sieben Millionen Menschen.

Hilfe lief nur schleppend an in dem Land, dessen Infrastruktur sich von dem jahrelangen Bürgerkrieg nie erholt hatte.

Und so beschloss Präsident George W. Bush, dass jene Salvadorianer, die sich nach den Erdbeben in die USA geflüchtet hatten, einen temporären geschützten Aufenthaltsstatus erlangen. Die US-Regierung ging damals von 150.000 Salvadorianern aus, die das Anrecht auf diesen Status hatten, mit dem sie auch Arbeit suchen konnten. Das temporäre Bleiberecht wurde anschließend immer wieder verlängert. Solche Visa wurden von der US-Regierung schließlich nicht nur wegen Naturkatastrophen verliehen, sondern auch, weil die Herkunftsländer von Gewalt verwüstet waren.

Erst im September 2017 hatte das Global Economic Forum El Salvador als drittgefährlichstes Land der Welt bezeichnet. Das mittelamerikanische Land hat derzeit eine der höchsten Mordraten der Welt und zudem eine hohe Bandenkriminalität, unter anderem ist Salvador Heimat der berüchtigt gewalttätigen Maras.

El Salvador gehört zu den gefährlichsten Ländern der Welt


Doch US-Präsident Donald Trump, der auf einem republikanischen Ticket in das Weiße Haus gewählt worden war, hat nun bekanntgegeben, dass der Schutzstatus für die rund 200.000 in den USA lebenden Salvadorianer aufgehoben wird. Und das, obwohl sich die Salvadorianer in den fast zwanzig Jahren ihres Aufenthalts im Regelfall gut in die US-Gesellschaft eingelebt haben. Ein Drittel der Salvadorianer sind Hausbesitzer. Fast alle arbeiten nicht nur für ihre Familie, die sie in den USA gegründet haben, sondern auch für ihre Verwandten in Salvador.

Denn die größte Stütze der salvadorianischen Wirtschaft sind die Rücksendungen der in den USA lebenden Salvadorianer.

Die zwischen 200.000 und 250.000 Salvadorianer schickten etwa 2016 die Rekordsumme von 4,57 Milliarden Dollar zurück in die alte Heimat. 2017 schien dieser Rekord noch einmal übertroffen zu werden - von Jänner bis November haben die US-Salvadorianer bereits 4,51 Milliarden Dollar ihren Angehörigen überwiesen. Ein Drittel der Haushalte in Salvador bekommen damit Geld aus den USA.

Nun haben die US-Salvadorianer 18 Monate Zeit, um ihre Angelegenheiten zu regeln oder sich um einen anderen Aufenthaltstitel zu kümmern. Danach müssen sie in die lateinamerikanische Heimat zurückkehren. US-Medien rechneten vor, dass von der Entscheidung 190.000 Kinder betroffen sind, die in den USA geboren worden sind und nun einen Elternteil verlieren.

Das Schicksal der Salvadorianer hat sich in der harten Einwanderungspolitik von Trump schon abgezeichnet. Schon im November 2017 erklärte die US-Regierung, dass der temporärere Schutz für Haitianer auslaufen wird - Haitianer hatten nach dem Erdbeben 2010 einen befristeten Aufenthaltstatus bekommen. Auch der befristete Aufenthalt von Nicaraguanern soll beendet werden.