Davos/London. (apa/dpa) Knapp eine Woche vor Beginn der WEF-Jahrestagung in Davos hat das Weltwirtschaftsforum (WEF) zu einem gemeinsamen Kampf gegen die weltweiten Herausforderungen aufgefordert. "Wir leben an einem Wendepunkt mit vielen großartigen Möglichkeiten, aber auch mit besorgniserregenden Gefahren wie nie zuvor", sagte WEF-Gründer Klaus Schwab am Mittwoch vor Reportern im schweizerischen Cologny.

"Doch der Wandel geschieht nicht einfach so. Es liegt in unserer Hand, den Zustand der Welt zu verbessern", sagte Schwab. Dafür stehe das Weltwirtschaftsforum. In Davos diskutieren vom 23. bis 26. Januar mehr als 3000 Spitzenpolitiker, Top-Manager sowie Vertreter internationaler Organisationen und der Zivilgesellschaft unter dem Motto "Für eine gemeinsame Zukunft in einer zersplitterten Welt". Die Eröffnungsrede hält der indische Premier Narendra Modi, zum Abschluss steht eine Ansprache von US-Präsident Donald Trump auf dem Programm, der mit einer großen Regierungsdelegation anreist.

70 Staats- und Regierungschefs

Das WEF freue sich sehr, dass Trump seine Pläne vorstelle, wie er die Weltwirtschaft voranbringen wolle, sagte WEF-Präsident Borge Brende. Er betonte zugleich: "Wir legen Wert darauf, dass Wachstum integrativ ist, dass es um Fähigkeiten geht, um gleiche Möglichkeiten." Unter anderem werden rund 70 Staats- und Regierungschefs erwartet. Derzeit gilt als wahrscheinlich, dass der französische Präsident Emmanuel Macron und auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen.

"Unsere Welt ist zersplittert worden durch den zunehmenden Wettbewerb zwischen Staaten und die tiefen Risse in den Gesellschaften", sagte Schwab. Aber allein die schiere Menge an Herausforderungen mache gemeinsame und gemeinschaftliche Aktionen unverzichtbar. Heutzutage könne kein Wirtschaftsproblem und keine regionale Frage von einer Regierung oder einem Konzern alleine gelöst werden.

Im vom WEF vorgestellten "Global Risk Report" wird im Detail auf die möglichen Bedrohungen für Sicherheit und Stabilität eingegangen. Demnach gehe heute von Umweltrisiken und Cyberangriffen die größte Gefahr für die Welt aus. Dabei stellen extreme Wettereignisse das größte Einzelrisiko dar.

Hacker als ernste Gefahr


Zunehmend an Bedeutung gewinnen vor allem Cyberattacken wie groß angelegte Angriffe. "Geopolitische Reibungen tragen dazu bei, dass Cyberangriffe sowohl häufiger als auch komplexer werden", warnte John Drzik vom Industrieversicherungsmakler Marsh. Zudem nehme die digitale Angriffsfläche zu, da Unternehmen - und auch Einzelpersonen - immer stärker von Technologie abhängig seien. In den vergangenen fünf Jahren haben sich Cyberangriffe auf Unternehmen fast verdoppelt, allein die Kosten, die durch sogenannte "Ransomware", also Cyberangriffe zum Zwecke der Erpressung verursacht wurden, werden immer häufiger. 64 Prozent aller mittels E-Mail verbreiteten Cyberangriffe enthielten derartige Schad-Software. Alleine der Virus "WannaCry", der rund 300.000 Computer in rund 150 Ländern befallen hat, hat einen finanziellen Schaden von mindestens 300 Millionen US-Dollar verursacht.

"Wenn jemand einen Cloud-Anbieter außer Gefecht setzt, kann der Schaden 50 bis 120 Milliarden Dollar betragen. Das entspricht einem Hurrikan Sandy oder Katrina", so Drzik.

Ein weiterer Trend sind immer häufigere Angriffe auf kritische Infrastruktur und strategisch bedeutsame Industrieanlagen. Experten befürchten, dass Hacker im Ernstfall die kritischen Systeme lahmlegen könnten, die Wirtschaft und Gesellschaft am Laufen halten.

Das Risiko wird auch deshalb immer größer, da die Zahl der internetfähigen Geräte in der Welt rasant wächst. Bis zum Jahr 2020 werden rund 20 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein. Mit diesem rasanten Wachstum hält die Verbesserung der Abwehr-Infrastruktur von Regierungen und Unternehmen nicht Schritt.