Harare/Wien. Jetzt, nach seinem Tod, wird Morgan Tsvangirai plötzlich von der Regierungspartei Zanu-PF gefeiert. Simbabwes langjähriger Oppositionsführer, der am Mittwoch 65-jährig seinem Krebsleiden erlegen ist, werde ein Staatsbegräbnis erhalten, verkündete nun Präsident Emmerson Mnangagwa. Der Staatschef würdigte den früheren Minenarbeiter Tsvangirai als "starken Oppositionspolitiker", der sich für "freie, faire und friedliche Wahlen" eingesetzt habe.

Doch genau diese fairen Wahlen hat die Regierungspartei Zanu-PF Tsvangirai zu seinen Lebzeiten verweigert. Viele internationale Diplomaten und auch Wahlbeobachter, die damals vor Ort waren, sind überzeugt, dass Tsvangirai bei der Präsidentenwahl 2008 bereits im ersten Durchgang die absolute Mehrheit errungen hatte.

Doch die Wahlkommission verkündete, dass eine Stichwahl notwendig sei - ohne den internationalen Beobachtern Daten vorzulegen, die das Ergebnis nachvollziehbar gemacht hätten. Tsvangirais Konkurrent, Amtsinhaber Robert Mugabe, schickte daraufhin seine Schergen los. Schlägertrupps machten Jagd auf Oppositionelle, zudem wurden Regionen, in denen die Opposition viele Stimmen hatte, von Lebensmittellieferungen abgeschnitten. Wegen der Repressalien zog Tsvangirai damals seine Kandidatur zurück.

Mugabe die Stirn geboten

Tsvangirai war nicht nur bei dieser Wahl Mugabes politischer Gegner. Über die Jahre hinweg bot der Sohn eines Maurers dem autoritären Langzeitherrscher die Stirn, zunächst als Gewerkschafts- und später als Oppositionsführer. Er wurde wegen Hochverrats angeklagt und von Sicherheitskräften verprügelt. Symbolbild seines Kampfes wurde eine Aufnahme aus dem Jahr 2007: Mit verquollenem Gesicht und blauem Auge blickte Tsvangirai in die Kamera - die Polizei hatte ihn derart misshandelt, dass er einen Schädelbruch erlitten hatte.

Vor vier Monaten ist Mugabe nach 37 Jahren an der Macht gestürzt worden. Er war in einem Machtkampf innerhalb der Regierungspartei unterlegen. Der 93-Jährige darf nun gut versorgt in einer Villa mit Personal seinen Lebensabend verbringen, während sein langjähriger Mitstreiter Emmerson Mnangagwa neuer Präsident wurde.

Damit öffnet sich nun auch für die Opposition eine Tür, um wieder präsenter im politischen Raum zu sein. Und nun ist Morgan Tsvangirai gestorben.

Er war kein unfehlbarer Heiliger - der frühere US-Botschafter in Simbabwe, Christopher Dell, beschrieb ihn als sprunghaft in seinen Entscheidungen und beratungsresistent. Doch der unerschrockene Kämpfer war die Galisonsfigur der Opposition und konnte viele Bürger mobilisieren.