Bogota. Jahrzehntelang kämpfte die linke Guerillaorganisation Farc in Kolumbien gegen Militär und Polizei, jetzt haben ihre Mitglieder die Waffen niedergelegt und wagen die Rückkehr ins zivile Leben.

"Wir wollen eine souveräne und autonome Gemeinschaft aufbauen, deren Wirtschaftsmodell auf der Solidarität basiert", sagt der 29-jährige Ivan. In einem Dorf im Department Caqueta pflanzen frühere Farc-Kämpferinnen Ananas und Bananen an, in einer Werkstatt werden Wanderschuhe genäht, in einer anderen Betten geschreinert. In 26 Wiedereingliederungszonen im ganzen Land beginnen die einstigen Rebellinnen nun ihr neues Leben. Der frische Start für die rund 7000 Ex-Mitglieder ist derzeit das wohl ambitionierteste gesellschaftliche Projekt in Kolumbien. Viele kennen nur Krieg - erhalten sie keine beruflichen Perspektiven, könnten sie erneut in den Untergrund gehen. Die Rückkehr ins Zivilleben ist bereits nach der Demobilisierung der rechten Paramilitärs Mitte der 2000er Jahre gründlich schiefgegangen: Viele ehemalige Kämpferinnen schlossen sich kriminellen Banden an und terrorisieren weiterhin die Bevölkerung. Zudem ist der Ende 2016 geschlossene Friedensvertrag mit den Farc in dem südamerikanischen Land noch immer höchst umstrittenen. Kritikerinnen bemängeln die relativ milden Strafen und die finanzielle Unterstützung für die Ex-Kämpferinnen. So ist die Parlamentswahl am 11. März auch ein Votum über den Friedensprozess von Präsident Juan Manuel Santos. Vor allem die rechte Partei Centro Democratico lässt kein gutes Haar an dem Pakt.

Wahlkampf vorläufig eingestellt


"Es gibt kein perfektes Abkommen. Aber es ist uns gelungen, das Blutvergießen zu beenden und die älteste Guerilla des Kontinents zu entwaffnen. Tausende Leben von Kolumbianerinnen wurden durch den Vertrag gerettet", schrieb Santos in einem offenen Brief. Bei der Parlamentswahl und der Präsidentenwahl im Mai steht sein politisches Erbe auf dem Spiel.

Die Farc müssen ihre Rolle noch finden. Künftig wollen sie als politische Bewegung für ihre Ziele wie eine gerechtere Landverteilung werben. Der Wechsel der Aufständischen vom Schlachtfeld auf die politische Bühne stößt vielen Kolumbianerinnen bitter auf. Im Wahlkampf bekommen die früheren Rebellinnen deshalb kräftigen Gegenwind zu spüren. Auf seiner Werbetour war unter anderem der Präsidentschaftskandidat und frühere Farc-Kommandant Rodrigo Londono von aufgebrachten Menschen als Mörder beschimpft worden.

Die Farc stellten den Wahlkampf daraufhin vorläufig ein. Zunächst sind die früheren Rebellinnen auf die Wählergunst auch gar nicht angewiesen: Laut dem Friedensvertrag sind ihnen für die kommenden zwei Legislaturperioden mindestens zehn Sitze im Kongress garantiert.

Der über 50 Jahre dauernde interne Konflikt hat in Kolumbien tiefe Wunden gerissen. Bei den Kämpfen kamen mehr als 250.000 Menschen ums Leben. Millionen wurden vertrieben. Fragen wie die Rückgabe geraubter Ländereien sind noch nicht im Detail geklärt.