Havanna. (dpa) In Kuba geht eine Ära zu Ende. Erstmals seit fast 60 Jahren wird der starke Mann auf der sozialistischen Karibikinsel nicht mehr Castro heißen. Das Sesselrücken an der Staatsspitze dürfte allerdings nicht zu einem radikalen Politikwechsel führen. Oberstes Ziel der Regierung ist der Machterhalt. Auf keinen Fall will sie das gleiche Schicksal erleiden, wie die Sozialisten in Osteuropa.

"Es gibt die weit verbreitete Meinung, dass sich in dem Land sowieso nichts ändert, egal wer am Steuerrad steht", schreibt die kubanische Dissidentin Yoani Sanchez in ihrem Blog "14 y medio". "Die Bürger haben den Eindruck, dass sie letztendlich nicht von dem profitieren, was da oben passiert." Wenn es in ihrem Viertel nach Monaten endlich wieder Kartoffeln zu kaufen gibt, sorgt das für mehr Aufregung als der Wechsel an der Staatsspitze.

Diaz-Canel muss liefern

Raul (l.) und Fidel (m.) Castro 1957 als junge Anti-Batista-Guerrilleros in den Bergen Kubas. - © ap
Raul (l.) und Fidel (m.) Castro 1957 als junge Anti-Batista-Guerrilleros in den Bergen Kubas. - © ap

Das kubanische Parlament hat die Sitzung zur Wahl des Staatsrates um einen Tag vorgezogen. Die Abgeordneten werden bereits am Mittwoch statt erst am Donnerstag zusammentreten, wie der staatliche Sender Radio Rebelde am Montag berichtete. Nachfolger von Präsident Raul Castro soll dem Vernehmen nach dessen rechte Hand Miguel Diaz-Canel werden. Der Parteikader liegt voll auf Linie. Castros Kronprinz ist geduldig in der Parteihierarchie Stufe um Stufe aufgestiegen. Mit 43 Jahren zog er 2003 als jüngstes Mitglied in das Politbüro der Kommunistischen Partei ein und übernahm den Parteivorsitz in der Provinz Holguin. Später wurde er Minister für Hochschulbildung und Vizepräsident. "Die kubanischen Präsidenten werden stets die Revolution verteidigen. Vor allem brauchen wir Kontinuität", sagte der bisherige Vizepräsident vor Kurzem.

Im Gegensatz zu den Revolutionären Fidel und Raul Castro, die noch selbst in der Sierra Maestra kämpften und mit ihrer Rebellenarmee den Diktator Fulgencio Batista aus dem Land trieben, verfügt der 57-Jährige nicht über die natürliche Legitimation der alten Kämpfer. Er muss "liefern".

"Diaz-Canel muss sich seine Legitimation erst erarbeitet. Er wird nach seiner Leistung bewertet werden, nach seiner Fähigkeit Versprechen einzulösen über Reformen, eine responsivere Regierung, mehr Zugang zu Informationen, Verbesserung der Lebensqualität und mehr Chancen für junge Leute", schreibt die Kuba-Expertin Marguerite Rose Jimenez vom Washington Office on Latin America (Wola) in der Zeitschrift "Foreign Affairs".

Neuer Schwung für Reformen?