Moskau. Bundespräsident Alexander van der Bellen, Bundeskanzler Sebastian Kurz und Außenministerin Karin Kneissl üben sich dieser Tage im rhetorischen Gleichklang im Versuch, eine neue Runde von Syrien-Gesprächen in Wien anzustoßen. Van der Bellen besucht dieser Tage Jordanien und der Bundespräsident sagte dort, dass man in Jordanien hoffe, "dass auf allen Seiten wieder Vernunft einkehrt und man sich wieder darauf besinnt, an den Verhandlungstisch zurückzukehren", sagte Van der Bellen, nicht ohne hinzuzufügen: "Sei es in der alten Fasson der Genfer Verhandlungen unter UNO-Leitung, sei es an einer neuen Location mit neuen Teilnehmern. Vielleicht unter Beteiligung von Staaten, die insofern neutral sind, als sie nicht an dem Konflikt beteiligt sind."

Und van der Bellen brachte dabei auch – wie schon zuvor Kanzler Kurz und Außenministerin Karin Kneissl – Wien ins Spiel. Man könne sich angesichts des Stillstandes bei den Genfer Syrien-Verhandlungen die Frage stellen, "auf welche Weise man das neu beleben kann, sei es durch einen Wechsel der Location - und hier hat Wien natürlich einen hervorragenden Ruf - , sei es durch die zusätzliche Hereinnahme anderer Partner, die keine unmittelbaren Interessen in der Region haben." Freilich, dabei handle es sich derzeit noch um eine Idee, schwächte van der Bellen ab, die noch nicht konkret gediehen sei.

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Aber das Werben Wiens für einen neuen Anlauf bei Friedensverhandlungen scheint über eine bloße Idee hinauszugehen: Kurz hat am Mittwoch bei einem Telefonat mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel über mögliche diplomatische Initiativen für einen friedlichen Lösung des Syrien-Konflikts gesprochen und am Dienstag hat er UN-Sondervermittler Staffan de Mistura "volle Unterstützung für die UN-Friedensverhandlungen angeboten", denn Österreich habe eine lange Tradition als Ort des Dialogs und als Brückenbauer. Und auch Kneissl hat in Jordanien "auf einen neuen Elan im Sinne einer seriösen Verhandlung" gedrängt. Nach ihrem Treffen mit König Abdullah und Gesprächen mit ihrem jordanischen Amtskollegen Ayman Safadi sprach Kneissl davon, dass es in Jordanien "großes Interesse an Österreich" gebe. Denn Österreich sei, "im Gegensatz zu einigen anderen, auch europäischen, Staaten" nie Partei im Syrienkrieg gewesen. Die Außenministerin betonte: "Wenn die Nachfrage da ist, dann stellen wir uns zur Verfügung."