Brüssel/Berlin.Vor der Syrien-Geberkonferenz in Brüssel haben Hilfsorganisationen eine deutliche Aufstockung der Hilfsgelder zur Versorgung von Millionen Flüchtlingen angemahnt. Die anhaltende Gewalt und Luftangriffe auf Zivilisten, Schulen und Krankenhäuser hätten seit Jahresbeginn weitere 700.000 Menschen im Land selbst vertrieben, erklärten Organisationen wie Care, Oxfam und Save the Children.

Bisher seien erst 20 Prozent der notwendigen Hilfsmaßnahmen finanziert. Die Organisationen fordern die Teilnehmer der Geberkonferenz, die am heutigen Dienstag beginnt, auf, ihre bereits gemachten finanziellen Zusagen einzuhalten und die Mittel zusätzlich aufzustocken.

"Entscheidend ist die ausreichende Finanzierung der Hilfe unabhängig von politischen Interessen. Jeder Euro rettet Menschenleben", erklärte Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von Care Österreich. Zusätzlich müsse "die systematische und absichtliche Blockade der Hilfslieferungen dringend enden".

Jedes dritte Kind
geht nicht in die Schule

Das UNO-Kinderhilfswerk Unicef forderte, die Hilfe für Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt zu stellen. Neben der humanitären Soforthilfe müssten auch längerfristige Maßnahmen wie Schulbildung finanziert werden, um mit Blick auf eine politische Lösung des Konflikts die "Grundlagen für ein friedliches Zusammenleben" zu stärken, sagte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider. Momentan gehe jedes dritte Kind in Syrien nicht mehr in die Schule. Zum Wiederaufbau nach Kriegsende gehöre allerdings "mehr als Steine und Zement".

Die Welthungerhilfe warnt eindringlich vor einer humanitären Katastrophe in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens, die noch immer weitgehend unter Kontrolle der Opposition steht. Bis zu 700.000 Menschen, darunter auch Flüchtlinge aus anderen Ex-Rebellengebieten wie Aleppo und Ost-Ghouta, könnten von den drohenden Kämpfen betroffen sein, so die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann. "Ohne eine politische Lösung sitzen sie möglicherweise in der Falle."

An dem Treffen nehmen Minister und Vertreter von mehr als 85 Staaten und Organisationen teil. Aus Österreich wird Außenministerin Karin Kneissl erwartet. Auf der ersten Brüsseler Konferenz im April 2017 hatten sich die Europäische Union und die anderen internationalen Geldgeber verpflichtet, für 2017 Hilfen in Höhe von 5,6 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen.