Washington. (schmoe) Donald Trump und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron können gut miteinander. So scheint es jedenfalls. Mehrfach bezeichnete Trump seinen Staatsgast in Washington als "großen Präsidenten". Macron war erfreut und gab Trump schon bei der Ankunft zwei "bises" rechts und links auf die Wangen - ganz nach französischer Art. Trump griff den Brauch begeistert auf; er revanchierte sich bei einer gemeinsamen Pressekonferenz und zog den Amtskollegen überraschend zu sich. "Ich mag ihn sehr", versicherte der US-Präsident. Die US-Medien sprechen bereits von einer "neuen Männerfreundschaft".

Von Donald Trump geherzt: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Gast in Washington. - © ap/Harnik
Von Donald Trump geherzt: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Gast in Washington. - © ap/Harnik

Einträchtig, die Gattinnen stets an ihrer Seite, pflanzten Trump und Macron im Garten des Weißen Hauses eine Eiche, ehe sie sich zu einem privaten Abendessen zurückzogen. Am Dienstag gab es ein opulentes Bankett, beide Staatschefs betonten einmal mehr ihre Freundschaft. Am Mittwoch durfte Macron vor beiden Häusern des Kongresses sprechen - eine Ehre, die 1960 auch General de Gaulle zuteilwurde.

"Atomabkommen beibehalten"

Macron wusste die Geste zu schätzen. Frankreich und die USA hätten viele Schlachten Schulter an Schulter ausgefochten, es sei in der Vergangenheit eine spezielle Verbindung entstanden, die nie abgerissen sei, sagte Macron. Allerdings übte er auch Kritik: Isolationismus gefährde die internationalen Organisationen. Die USA und Europa müssten Freiheitsrechte gemeinsam verteidigen. Ein Handelskrieg sei nicht die Lösung, so Macron. Er sprach sich für eine globale Führungsrolle der USA und Europas aus.

In die Organisation des Treffens soll Melania Trump viel Mühe investiert haben. Ihrem Gatten dürfte es vor allem darum gehen, sich als politischer Zampano zu präsentieren, der auf der internationalen Bühne zu glänzen weiß. Macron ließ das Schauspiel, das "Cher Donald" inszenierte, über sich ergehen, weil er Frankreich wieder als Europas Wortführer ins Zentrum rücken will. In der Tat brauchen die USA Frankreich als Partner und Vermittler in zahlreichen Konflikten - etwa dem mit dem Iran.

Einig sind sich die beiden in der Frage zwar nicht, trotzdem haben sie sich für ein überarbeitetes Abkommen ausgesprochen. Er hoffe auf die Ausarbeitung "eines neuen Deals mit dem Iran", von dem das Atomabkommen ein Teil sein könne, sagte Macron. In seiner Rede vor dem Kongress betonte Macron, dass der Iran niemals Atomwaffen besitzen dürfe. Er sei aber für die Beibehaltung des Abkommens, wenn es nichts Substanzielleres gäbe. Trump droht mit der Aufkündigung des Abkommens, sollte die Besorgnis über das iranische Raketenprogramm und die Rolle des Landes in regionalen Konflikten nicht stärker thematisiert werden. Nach den letzten Informationen wollen die USA einen Zusatz zum Abkommen erwirken, den Vertrag aber nicht neu aufschnüren.