Neues Gesicht aus dem Haus Uribe: Iván Duque war bis vor kurzem völlig unbekannt. - © ap/Vergara
Neues Gesicht aus dem Haus Uribe: Iván Duque war bis vor kurzem völlig unbekannt. - © ap/Vergara

Bogotá. (afp/dpa/wak) In Kolumbien hat der rechtsgerichtete Kandidat Iván Duque die erste Runde der Präsidentschaftswahl gewonnen. Wie die Wahlbehörde am Sonntag mitteilte, kam Duque auf 39,1 Prozent der Stimmen. Er blieb damit deutlich unter der Marke von 50 Prozent und muss somit in eine Stichwahl. Dort trifft er am 17. Juni auf den linksgerichteten Kandidaten Gustavo Petro, der in der ersten Runde mit 25 Prozent auf Platz zwei landete.

Die Wahl sei "vollkommen normal" verlaufen, erklärte der Vorsitzende der Wahlbehörde, Juan Carlos Galindo. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei 53,2 Prozent und war damit höher als bei vorangegangenen Wahlen. Der scheidende Präsident Juan Manuel Santos wertete den friedlichen Verlauf der Wahl als Erfolg.

Der Mitte-links-Politiker Sergio Fajardo kam überraschend mit 23,7 Prozent auf Platz drei. Neben Duque und Petro war keinem der übrigen Kandidaten zugetraut worden, auf mehr als zehn Prozent der Stimmen zu kommen.

"Comandante Aurelio": Gustavo Petro gilt vielen als gefährlicher Kommunist. - © ap/Mazalan
"Comandante Aurelio": Gustavo Petro gilt vielen als gefährlicher Kommunist. - © ap/Mazalan

Der Ausgang der Präsidentschaftswahl dürfte entscheidend sein für den Friedensprozess in Kolumbien: Der 41-jährige Duque von der ultrarechten Partei Demokratisches Zentrum (Centro democrático, CD) hatte angekündigt, das Friedensabkommen von 2016 mit der Farc-Guerilla im Fall seines Sieges überarbeiten zu wollen. Die Friedensgespräche mit den noch nicht entwaffneten ELN-Rebellen lehnt er ab. Der 58-jährige Petro von der Bewegung Menschenwürdiges Kolumbien (Colombia Humana) dagegen unterstützt das Abkommen und hatte erklärt, einen ähnlichen Pakt mit der ELN-Guerilla schließen zu wollen.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos hat für das historische Abkommen mit den Farc-Kämpfern Ende 2016 den Friedensnobelpreis erhalten.

Seit 1964 wurden in Kolumbien bei Kämpfen zwischen der Armee, linksgerichteten Guerillagruppen wie Farc und ELN sowie rechten Paramilitärs mehr als 260.000 Menschen getötet. Etwa sieben Millionen Menschen flohen vor der Gewalt, mehr als 60.000 weitere werden vermisst.

Duque sprach sich nach seinem Sieg in der ersten Wahlrunde erneut für eine Überarbeitung des Friedensvertrags mit der Farc aus. Er wolle das Land als Präsident einen. Er wolle "ein Kolumbien, wo der Frieden mit der Gerechtigkeit einhergeht".

Die meisten Kolumbianer sehen in Duque eine Marionette des früheren Staatschefs Álvaro Uribe. Der hat sich stets vehement gegen das Friedensabkommen mit der Farc ausgesprochen. Duque selbst war vor bis vor kurzem weitgehend unbekannt, den Wahlerfolg verdankt er zweifellos dem Einfluss seines Förderers Uribe.